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	Kommentare zu: Die Tücken der Doppelbödigkeit	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Wed, 02 Feb 2022 15:07:00 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Frank Heibert		</title>
		<link>https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17258</link>

		<dc:creator><![CDATA[Frank Heibert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Feb 2022 15:07:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ach je. Spielt das denn eine Rolle, dass hier der liebe Gott angerufen wird? In manchen Regionen gibt es ja so was wie &quot;Hilf dir Gott&quot; (in Bayern), wenn eine:r niest. Dann würde ich in der Richtung suchen. Ansonsten natürlich &quot;Gesundheit!&quot; - das ist dann die ganz normale Übertragung von einer idiomatischen Redewendung in eine entsprechende der Zielsprache. Vielleicht gab&#039;s dort, wo die Synchronübersetzerperson herkommt, die Floskel &quot;Gott schütze dich&quot; dafür? Aber auch wenn es eine Erklärung gibt -- wenn&#039;s auf Deutsch kommunikativ nicht funktioniert, dann nutzt auch die nachgeschobene Erklärung nichts.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ach je. Spielt das denn eine Rolle, dass hier der liebe Gott angerufen wird? In manchen Regionen gibt es ja so was wie &#8222;Hilf dir Gott&#8220; (in Bayern), wenn eine:r niest. Dann würde ich in der Richtung suchen. Ansonsten natürlich &#8222;Gesundheit!&#8220; &#8211; das ist dann die ganz normale Übertragung von einer idiomatischen Redewendung in eine entsprechende der Zielsprache. Vielleicht gab&#8217;s dort, wo die Synchronübersetzerperson herkommt, die Floskel &#8222;Gott schütze dich&#8220; dafür? Aber auch wenn es eine Erklärung gibt &#8212; wenn&#8217;s auf Deutsch kommunikativ nicht funktioniert, dann nutzt auch die nachgeschobene Erklärung nichts.</p>
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		<title>
		Von: Dirk Eggers		</title>
		<link>https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17257</link>

		<dc:creator><![CDATA[Dirk Eggers]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Feb 2022 14:57:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vielen Dank für den Artikel, es ist äußerst spannend und anregend, Ihnen bei der Suche nach dem richtigen Wort zu folgen. Im Filmbereich wird leider nicht ansatzweise eine solche Sorgfalt an den Tag gelegt - unvergessen z.B. ein ganzer Erzählstrang in Film &quot;Singles&quot; von Cameron Crowe, bei dem es darum geht, dass der von Matt Dillon gespielte Charakter niemals &quot;Bless you&quot; sagt, wenn seine Freundin niesen muss. Raten Sie mal, was er in der deutschen Version sagte... ok ich löse auf: &quot;Gott schütze Dich.&quot;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank für den Artikel, es ist äußerst spannend und anregend, Ihnen bei der Suche nach dem richtigen Wort zu folgen. Im Filmbereich wird leider nicht ansatzweise eine solche Sorgfalt an den Tag gelegt &#8211; unvergessen z.B. ein ganzer Erzählstrang in Film &#8222;Singles&#8220; von Cameron Crowe, bei dem es darum geht, dass der von Matt Dillon gespielte Charakter niemals &#8222;Bless you&#8220; sagt, wenn seine Freundin niesen muss. Raten Sie mal, was er in der deutschen Version sagte&#8230; ok ich löse auf: &#8222;Gott schütze Dich.&#8220;</p>
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		<title>
		Von: Heibert, Frank		</title>
		<link>https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17254</link>

		<dc:creator><![CDATA[Heibert, Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Feb 2022 08:43:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17244&quot;&gt;M.Fürböter&lt;/a&gt;.

Liebe Frau Fürböter, danke für Ihren ausführlichen Kommentar. Wortspiel- und Lyrikübersetzung gehören zu den größten Herausforderungen des Literaturübersetzens, weil hier Wortbedeutung UND Wortklang beide gleich wichtig erscheinen, ein langes Thema. Jedenfalls werden sie deshalb immer gern zitiert, wenn jemand zeigen möchte, dass bei der Übersetzung doch immer was verlorengehe. Gegen diese Grundauffassung vom Literaturübersetzen arbeite ich seit langem an; sie basiert auf dem falschen Grundgedanken, dass, wenn es im wortwörtlichen Bereich nicht klappt, die Sache unmöglich ist. Literaturübersetzen besteht daraus, ersetzen zu üben, ganz richtig. Zu ihrem Beispiel (&quot;matches&quot;): Wenn wirklich beide Bedeutungen eines Wortes im Kontext abgerufen werden (und nicht nur mitschwingen, so wie noch fünf weitere Assoziationen mitschwingen könnten), dann muss eben die erste Übersetzung, die einem einfiele (&quot;Streichhölzer&quot;) ersetzt werden, weil sie nicht ausreicht. Wir übersetzen ja nicht nur Wörter, sondern Texte. Ich kenne Ihren Originaltext nicht und werfe jetzt nur eine Idee ins Gespräch; welches deutsche Wortfeld könnte, wie &quot;match&quot;, in beiden Kontexten funktionieren, &quot;anzünden&quot; und &quot;in Liebesdingen passend sein&quot;? Relativ nah dran liegt ja die Feuer-Metaphorik fürs Verliebtsein (füreinander entbrennen, Gefühle anfeuern, entflammt sein); ich bin ziemlich sicher, dass sich hier etwas basteln ließe, das auch zu den Streichhölzern passt. Dann wird die ganze Sache &quot;freier&quot;, aber genau so geht eben Literaturübersetzen -- je nachdem, welche Elemente im Ausgangstext man für wie entscheidend hält. Auch das &quot;gravy&quot;-Beispiel zeigt nur, dass sich da ein Übersetzer für eine wichtige Bedeutung entschieden hat und andere Aspekte weniger wichtig fand -- ein Bestandteil der legitimen, aber immer diskutierbaren Prioritätensetzung beim Interpretieren eines literarischen Textes. Wenn etwas unübersetzbar scheint (und das gibt es natürlich), sind oftmals noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt worden; es besagt noch lange nicht, dass das Literaturübersetzen grundsätzlich defizitär wäre, auch nicht bei Wortspielen, Lyrik oder Slang. Deshalb widerspreche ich auch Patersons knackiger, aber falscher Pointe am Schluss entschieden. &quot;If poetry is like taking a shower&quot;, so würde ich sagen, &quot;poetry in translation is like taking a shower away from home.&quot; Was immer das dann konkret heißt -- anderes Wasser, anderes Badezimmer, anderer Duschkopf ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17244">M.Fürböter</a>.</p>
<p>Liebe Frau Fürböter, danke für Ihren ausführlichen Kommentar. Wortspiel- und Lyrikübersetzung gehören zu den größten Herausforderungen des Literaturübersetzens, weil hier Wortbedeutung UND Wortklang beide gleich wichtig erscheinen, ein langes Thema. Jedenfalls werden sie deshalb immer gern zitiert, wenn jemand zeigen möchte, dass bei der Übersetzung doch immer was verlorengehe. Gegen diese Grundauffassung vom Literaturübersetzen arbeite ich seit langem an; sie basiert auf dem falschen Grundgedanken, dass, wenn es im wortwörtlichen Bereich nicht klappt, die Sache unmöglich ist. Literaturübersetzen besteht daraus, ersetzen zu üben, ganz richtig. Zu ihrem Beispiel (&#8222;matches&#8220;): Wenn wirklich beide Bedeutungen eines Wortes im Kontext abgerufen werden (und nicht nur mitschwingen, so wie noch fünf weitere Assoziationen mitschwingen könnten), dann muss eben die erste Übersetzung, die einem einfiele (&#8222;Streichhölzer&#8220;) ersetzt werden, weil sie nicht ausreicht. Wir übersetzen ja nicht nur Wörter, sondern Texte. Ich kenne Ihren Originaltext nicht und werfe jetzt nur eine Idee ins Gespräch; welches deutsche Wortfeld könnte, wie &#8222;match&#8220;, in beiden Kontexten funktionieren, &#8222;anzünden&#8220; und &#8222;in Liebesdingen passend sein&#8220;? Relativ nah dran liegt ja die Feuer-Metaphorik fürs Verliebtsein (füreinander entbrennen, Gefühle anfeuern, entflammt sein); ich bin ziemlich sicher, dass sich hier etwas basteln ließe, das auch zu den Streichhölzern passt. Dann wird die ganze Sache &#8222;freier&#8220;, aber genau so geht eben Literaturübersetzen &#8212; je nachdem, welche Elemente im Ausgangstext man für wie entscheidend hält. Auch das &#8222;gravy&#8220;-Beispiel zeigt nur, dass sich da ein Übersetzer für eine wichtige Bedeutung entschieden hat und andere Aspekte weniger wichtig fand &#8212; ein Bestandteil der legitimen, aber immer diskutierbaren Prioritätensetzung beim Interpretieren eines literarischen Textes. Wenn etwas unübersetzbar scheint (und das gibt es natürlich), sind oftmals noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt worden; es besagt noch lange nicht, dass das Literaturübersetzen grundsätzlich defizitär wäre, auch nicht bei Wortspielen, Lyrik oder Slang. Deshalb widerspreche ich auch Patersons knackiger, aber falscher Pointe am Schluss entschieden. &#8222;If poetry is like taking a shower&#8220;, so würde ich sagen, &#8222;poetry in translation is like taking a shower away from home.&#8220; Was immer das dann konkret heißt &#8212; anderes Wasser, anderes Badezimmer, anderer Duschkopf &#8230;</p>
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		<item>
		<title>
		Von: Heibert, Frank		</title>
		<link>https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17253</link>

		<dc:creator><![CDATA[Heibert, Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Feb 2022 08:24:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17245&quot;&gt;Elbert Olonq&lt;/a&gt;.

Lieber Herr Olonq, Ihre Beobachtung, dass das Aufteilen von literarischen Übersetzungen, zumal wenn es aus Zeitnot geschieht, manchmal zulasten der Texte gehen kann, ist ja vollkommen richtig. Ein Werk zu zweit zu übertragen (von noch mehr Übersetzer:innen will ich jetzt mal gar nicht anfangen) bedarf guter Vorbereitung und Abstimmung, unterm Strich spart es dann meist auch keine Zeit. Hinrich Schmidt-Henkel und ich nennen es gelegentlich Fortbildung auf eigene Kosten, denn wir teilen uns das eine Honorar, aber wir profitieren natürlich davon. Und vor allem der Text -- wenn er literarisch so ergiebig ist, dass sich die gemeinsame Arbeit daran auch lohnt. Mithin, auch hier gilt die (mit Grund) beliebteste Übersetzer:innen-Antwort: &quot;Es kommt drauf an.&quot;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17245">Elbert Olonq</a>.</p>
<p>Lieber Herr Olonq, Ihre Beobachtung, dass das Aufteilen von literarischen Übersetzungen, zumal wenn es aus Zeitnot geschieht, manchmal zulasten der Texte gehen kann, ist ja vollkommen richtig. Ein Werk zu zweit zu übertragen (von noch mehr Übersetzer:innen will ich jetzt mal gar nicht anfangen) bedarf guter Vorbereitung und Abstimmung, unterm Strich spart es dann meist auch keine Zeit. Hinrich Schmidt-Henkel und ich nennen es gelegentlich Fortbildung auf eigene Kosten, denn wir teilen uns das eine Honorar, aber wir profitieren natürlich davon. Und vor allem der Text &#8212; wenn er literarisch so ergiebig ist, dass sich die gemeinsame Arbeit daran auch lohnt. Mithin, auch hier gilt die (mit Grund) beliebteste Übersetzer:innen-Antwort: &#8222;Es kommt drauf an.&#8220;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: M.Fürböter		</title>
		<link>https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17244</link>

		<dc:creator><![CDATA[M.Fürböter]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Feb 2022 19:43:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vielen Dank für den Einblick in die Übersetzer-Werkstatt. Ihre Beschreibung der Suche nach dem passenden Ausdruck ist für mich ein praktisches Beispiel der Umsetzung des Übersetzungsimperativs Hinrich Schmidt-Henkels: übersetzen = übe ersetzen! Doch nicht immer gelingt das Ersetzen – vor allem bei Wortspielen und Slang in Gedichten. 

Beispiel: In dem Film „Paterson“ von Jim Jarmusch kommt das Gedicht „Love Poem“ von Ron Padgett vor. Aus urheberrechtlichen Gründen kopiere ich das Gedicht nicht, sondern verlinke hier nur zur englischen Version und zur deutschen Übersetzung von Jan Volker Röhnert. https://www.lyrikline.org/de/gedichte/love-poem-14573

Das zentrale Wort dieses Gedichtes ist meines Erachtens „match“, das fünfmal vorkommt. Röhnert übersetzt es mit dem Wort „Streichholz/Streichhölzer“. Während das Wort „Streichholz“ nur die eine Bedeutung im Deutschen hat („Stäbchen aus Holz oder Pappe mit leicht entzündbarer Masse an einem Ende, das sich durch Reiben an einer rauen Fläche, meist einer an der Packung befindlichen speziellen Reibfläche entzünden lässt“), hat das Wort „match“ im Englischen neben Streichholz mindestens noch die Bedeutung „Spiel“ im sportlichen Sinne oder „Übereinstimmung“ im Sinne von Zueinanderpassen. Mit der letzteren Bedeutung, und der Bedeutung von Streichholz, scheint Padgett zu wortspielen. Schon die Eingangszeile: „We have plenty of matches in our house.“ ist doch nicht nur ein Hinweis, dass viele Streichhölzer im Haus sind, sondern dass es (auch) viele Übereinstimmungen zwischen dem/der Erzähler/in und der/dem Angesprochenen (den Liebenden) gibt. Doch wie übersetzt man ein Wort, mit dessen vielen Bedeutungen gespielt wird ins Deutsche, das dort nur eine einzige Bedeutung bereithält?

Eine weitere Schwierigkeit sehe ich beim Slang. Hierzu ein anderes Beispiel: Den Titel des Gedichts &quot;Gravy&quot; von Raymond Carver übersetzt Helmut Frielinghaus mit &quot;Glücksfall&quot;. (Englisches Original: https://www.newyorker.com/magazine/1988/08/29/gravy). Wörtlich übersetzt heißt gravy &quot;Bratensoße&quot; oder &quot;Bratensaft&quot;. Es hat aber als Slang mindestens drei Bedeutungen, wobei die dritte Version mir für dieses Gedicht als die passende erscheint:

1. profit or money easily obtained or received unexpectedly.
2. money illegally or dishonestly acquired, especially through graft.
3. something advantageous or valuable that is received or obtained as a benefit beyond what is due or expected

&quot;No other word will do. For that’s what it was. Gravy.&quot;

Nimmt man nun die wörtliche Übersetzung: &quot;Soße&quot; oder sucht man nach einem Äquivalent im Deutschen, z.B. Butter (&quot;alles in Butter&quot; ) oder ersetzt man dieses konkrete englische Wort durch ein abstraktes wie &quot;Glücksfall&quot;? Aber wo bleibt dann dieser besondere Slang-Ausdruck, wenn man wie Helmut Frielinghaus übersetzt?

(Nebenbei: Gravy stammt wohl vom franzözischen Wort &quot;gravé&quot; ab, das vermutlich bei der Übernahme durch einen Schreibfehler entstanden ist. (Late 14c. (early 14c. in Anglo-French), from Old French grave, graue, apparently a misspelling of grané &quot;sauce, stew,&quot; with -n- misread for -u- — the character used for -v- in medial positions in words in medieval manuscripts.)

Wie heißt es am Ende bei Paterson: &quot;Poetry in translation is like taking a shower with a raincoat on.&quot;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank für den Einblick in die Übersetzer-Werkstatt. Ihre Beschreibung der Suche nach dem passenden Ausdruck ist für mich ein praktisches Beispiel der Umsetzung des Übersetzungsimperativs Hinrich Schmidt-Henkels: übersetzen = übe ersetzen! Doch nicht immer gelingt das Ersetzen – vor allem bei Wortspielen und Slang in Gedichten. </p>
<p>Beispiel: In dem Film „Paterson“ von Jim Jarmusch kommt das Gedicht „Love Poem“ von Ron Padgett vor. Aus urheberrechtlichen Gründen kopiere ich das Gedicht nicht, sondern verlinke hier nur zur englischen Version und zur deutschen Übersetzung von Jan Volker Röhnert. <a href="https://www.lyrikline.org/de/gedichte/love-poem-14573" rel="nofollow ugc">https://www.lyrikline.org/de/gedichte/love-poem-14573</a></p>
<p>Das zentrale Wort dieses Gedichtes ist meines Erachtens „match“, das fünfmal vorkommt. Röhnert übersetzt es mit dem Wort „Streichholz/Streichhölzer“. Während das Wort „Streichholz“ nur die eine Bedeutung im Deutschen hat („Stäbchen aus Holz oder Pappe mit leicht entzündbarer Masse an einem Ende, das sich durch Reiben an einer rauen Fläche, meist einer an der Packung befindlichen speziellen Reibfläche entzünden lässt“), hat das Wort „match“ im Englischen neben Streichholz mindestens noch die Bedeutung „Spiel“ im sportlichen Sinne oder „Übereinstimmung“ im Sinne von Zueinanderpassen. Mit der letzteren Bedeutung, und der Bedeutung von Streichholz, scheint Padgett zu wortspielen. Schon die Eingangszeile: „We have plenty of matches in our house.“ ist doch nicht nur ein Hinweis, dass viele Streichhölzer im Haus sind, sondern dass es (auch) viele Übereinstimmungen zwischen dem/der Erzähler/in und der/dem Angesprochenen (den Liebenden) gibt. Doch wie übersetzt man ein Wort, mit dessen vielen Bedeutungen gespielt wird ins Deutsche, das dort nur eine einzige Bedeutung bereithält?</p>
<p>Eine weitere Schwierigkeit sehe ich beim Slang. Hierzu ein anderes Beispiel: Den Titel des Gedichts &#8222;Gravy&#8220; von Raymond Carver übersetzt Helmut Frielinghaus mit &#8222;Glücksfall&#8220;. (Englisches Original: <a href="https://www.newyorker.com/magazine/1988/08/29/gravy" rel="nofollow ugc">https://www.newyorker.com/magazine/1988/08/29/gravy</a>). Wörtlich übersetzt heißt gravy &#8222;Bratensoße&#8220; oder &#8222;Bratensaft&#8220;. Es hat aber als Slang mindestens drei Bedeutungen, wobei die dritte Version mir für dieses Gedicht als die passende erscheint:</p>
<p>1. profit or money easily obtained or received unexpectedly.<br />
2. money illegally or dishonestly acquired, especially through graft.<br />
3. something advantageous or valuable that is received or obtained as a benefit beyond what is due or expected</p>
<p>&#8222;No other word will do. For that’s what it was. Gravy.&#8220;</p>
<p>Nimmt man nun die wörtliche Übersetzung: &#8222;Soße&#8220; oder sucht man nach einem Äquivalent im Deutschen, z.B. Butter (&#8222;alles in Butter&#8220; ) oder ersetzt man dieses konkrete englische Wort durch ein abstraktes wie &#8222;Glücksfall&#8220;? Aber wo bleibt dann dieser besondere Slang-Ausdruck, wenn man wie Helmut Frielinghaus übersetzt?</p>
<p>(Nebenbei: Gravy stammt wohl vom franzözischen Wort &#8222;gravé&#8220; ab, das vermutlich bei der Übernahme durch einen Schreibfehler entstanden ist. (Late 14c. (early 14c. in Anglo-French), from Old French grave, graue, apparently a misspelling of grané &#8222;sauce, stew,&#8220; with -n- misread for -u- — the character used for -v- in medial positions in words in medieval manuscripts.)</p>
<p>Wie heißt es am Ende bei Paterson: &#8222;Poetry in translation is like taking a shower with a raincoat on.&#8220;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Elbert Olonq		</title>
		<link>https://tell-review.de/die-tuecken-der-doppelboedigkeit/#comment-17245</link>

		<dc:creator><![CDATA[Elbert Olonq]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Feb 2022 18:51:04 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=105264#comment-17245</guid>

					<description><![CDATA[Kaum hatte ich noch gegen das Aufteilen von Übersetzungen gewettert (Kommentar zum Pg.-99-Test zu &quot;Vernichten&quot;), weil dabei meiner Ansicht nach Nuancen verlorengehen, da hat mich Ihr Artikel eines Besseren belehrt, meine Vorturteile ganz so stark zur Schau zu tragen. Vielen Dank!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum hatte ich noch gegen das Aufteilen von Übersetzungen gewettert (Kommentar zum Pg.-99-Test zu &#8222;Vernichten&#8220;), weil dabei meiner Ansicht nach Nuancen verlorengehen, da hat mich Ihr Artikel eines Besseren belehrt, meine Vorturteile ganz so stark zur Schau zu tragen. Vielen Dank!</p>
]]></content:encoded>
		
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