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	Kommentare zu: Das Verschwinden des Ichs	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Sun, 10 May 2026 17:56:52 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Steven Sello		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-verschwinden-des-ichs/#comment-66983</link>

		<dc:creator><![CDATA[Steven Sello]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 17:56:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ich frage mich bei solchen Thesen, ob deren Verfechter sie auch auf sich selbst und ihr Umfeld anwenden? Würde die Verfasserin von sich sagen, dass sie eine Frau ohne Eigenschaften ist? Verschwindet tatsächlich &quot;das Ich&quot; oder verändert es sich &quot;nur&quot;? Ist unsere Welt nicht derart voller Möglichkeitssinn, dass es manchmal fast beliebig erscheint, welche Möglichkeit ich ergreife? Sind düstere und apokalyptische Szenarien nicht auch Möglichkeiten im Sinne Musils?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich frage mich bei solchen Thesen, ob deren Verfechter sie auch auf sich selbst und ihr Umfeld anwenden? Würde die Verfasserin von sich sagen, dass sie eine Frau ohne Eigenschaften ist? Verschwindet tatsächlich &#8222;das Ich&#8220; oder verändert es sich &#8222;nur&#8220;? Ist unsere Welt nicht derart voller Möglichkeitssinn, dass es manchmal fast beliebig erscheint, welche Möglichkeit ich ergreife? Sind düstere und apokalyptische Szenarien nicht auch Möglichkeiten im Sinne Musils?</p>
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		<item>
		<title>
		Von: Al.T.		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-verschwinden-des-ichs/#comment-66961</link>

		<dc:creator><![CDATA[Al.T.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 11:11:23 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mir scheint, dass die schöne These nicht ganz zutrifft: Schon immer wollten (oder wollten nicht, taten es aber) Menschen sich ihrem jeweiligen Umfeld/Kontext/Habitus etc. angleichen... – Dorfgesellschaften alter Prägung z.B. … Und seit je wurde darin Individualität, gefühltes Subjektsein etc. unterlaufen oder umkonditioniert, und sei’s durch die schwarze Pädagogik…  
Und sie wurde dann leidvoll wiedererkämpft, hie und da...  
Heuer ist vielleicht nur der Grad an „Freiwilligkeit“ gestiegen. (Frage, wieviel Freiwilligkeit im Durchkonditionierten möglich ist..:../]
 – Lang leben die Lücken!, und da raschelt dann unerwartbar auch der Möglichkeitssinn, einer davon..:)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir scheint, dass die schöne These nicht ganz zutrifft: Schon immer wollten (oder wollten nicht, taten es aber) Menschen sich ihrem jeweiligen Umfeld/Kontext/Habitus etc. angleichen&#8230; – Dorfgesellschaften alter Prägung z.B. … Und seit je wurde darin Individualität, gefühltes Subjektsein etc. unterlaufen oder umkonditioniert, und sei’s durch die schwarze Pädagogik…<br />
Und sie wurde dann leidvoll wiedererkämpft, hie und da&#8230;<br />
Heuer ist vielleicht nur der Grad an „Freiwilligkeit“ gestiegen. (Frage, wieviel Freiwilligkeit im Durchkonditionierten möglich ist..:../]<br />
 – Lang leben die Lücken!, und da raschelt dann unerwartbar auch der Möglichkeitssinn, einer davon..:)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Rainer Kohlmayer		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-verschwinden-des-ichs/#comment-66958</link>

		<dc:creator><![CDATA[Rainer Kohlmayer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 10:32:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der gescheiteste Roman, den man lesen kann. Ein Autor, der alle Identitäten und Traditionen (Religionen, Autoritäten, Ethiken, Strukturen) auflöst und jeden Leser ratlos zurücklässt, weil der unglaublich gescheite und sprachlich geniale Romanautor selbst daran scheitert, den Roman in irgendeinem Sinn &quot;fertig&quot; zu schreiben, da er 1942 unerwartet und unvorbereitet im Schweizer Exil starb. -
Als ratloser Leser vermutet man, dass Musil für sein gnadenlos nihilistisches und ironisches Panorama des Jahres vor dem I. Weltkrieg, in dem der Soldat Musil wie die meisten europäischen Literaten sein Ich-Bewusstsein an den Patriotismus delegiert hatte, keine verantwortungsvolle Zukunft mehr sah. Der Autor scheiterte wohl daran, dass die wissenschaftlich und literarisch blendende Analyse und Zersetzung jeder Moral (der Geschwister-Inzest als Non-plus-ultra der Transgression) ab 1933 zu einem eskapistischen Gedankenspiel geworden war.
Aber auch heute noch sind die 1500 Seiten dieses gescheiten Scheiterns ein einmaliger Lesegenuss. Und der Leser fragt sich nach der Lektüre ratlos: Wenn alles, was möglich ist, menschlich genannt werden darf - was sage ich zu Hitler oder Epstein oder zu Thiel oder zum Papst usw.usf.?
Vielleicht mit Goethe, &quot;dass die Muse zu begleiten, doch zu leiten nicht versteht&quot;?
(Übrigens: Aus neofeministischer Sicht dürfte der Roman inzwischen sehr &quot;maskulin&quot; wirken).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der gescheiteste Roman, den man lesen kann. Ein Autor, der alle Identitäten und Traditionen (Religionen, Autoritäten, Ethiken, Strukturen) auflöst und jeden Leser ratlos zurücklässt, weil der unglaublich gescheite und sprachlich geniale Romanautor selbst daran scheitert, den Roman in irgendeinem Sinn &#8222;fertig&#8220; zu schreiben, da er 1942 unerwartet und unvorbereitet im Schweizer Exil starb. &#8211;<br />
Als ratloser Leser vermutet man, dass Musil für sein gnadenlos nihilistisches und ironisches Panorama des Jahres vor dem I. Weltkrieg, in dem der Soldat Musil wie die meisten europäischen Literaten sein Ich-Bewusstsein an den Patriotismus delegiert hatte, keine verantwortungsvolle Zukunft mehr sah. Der Autor scheiterte wohl daran, dass die wissenschaftlich und literarisch blendende Analyse und Zersetzung jeder Moral (der Geschwister-Inzest als Non-plus-ultra der Transgression) ab 1933 zu einem eskapistischen Gedankenspiel geworden war.<br />
Aber auch heute noch sind die 1500 Seiten dieses gescheiten Scheiterns ein einmaliger Lesegenuss. Und der Leser fragt sich nach der Lektüre ratlos: Wenn alles, was möglich ist, menschlich genannt werden darf &#8211; was sage ich zu Hitler oder Epstein oder zu Thiel oder zum Papst usw.usf.?<br />
Vielleicht mit Goethe, &#8222;dass die Muse zu begleiten, doch zu leiten nicht versteht&#8220;?<br />
(Übrigens: Aus neofeministischer Sicht dürfte der Roman inzwischen sehr &#8222;maskulin&#8220; wirken).</p>
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