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	Kommentare zu: Das Kerngeschäft der Literaturkritik	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Sun, 20 Nov 2016 16:38:17 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>
		Von: Aurelie		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-544</link>

		<dc:creator><![CDATA[Aurelie]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Nov 2016 12:04:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Nun - für mich reicht eine Lektüre des ersten und des letzten Satzes. 
Eventuell lese ich nach dem ersten Satz auch noch die erste Seite - aber dann ist mir als Literaturwissenschaftlerin klar, ob es sich um ein außergewöhnliches Buch handelt. 
Das Leben ist zu kurz für mittelmäßige Literatur.
Mein Lieblingseröffnungssatz (durch den ich zum ersten Mal nach vielen Jahren des Spracherwerbs überhaupt auch nur entdeckt habe, dass das Englische auch eine schöne, musikalische Sprache ist)? 
Lolita. 
Einer der größten Romananfänge.
Unbedingt lesen - gerade wenn Literatur nicht der eigene Beruf sein sollte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun &#8211; für mich reicht eine Lektüre des ersten und des letzten Satzes.<br />
Eventuell lese ich nach dem ersten Satz auch noch die erste Seite &#8211; aber dann ist mir als Literaturwissenschaftlerin klar, ob es sich um ein außergewöhnliches Buch handelt.<br />
Das Leben ist zu kurz für mittelmäßige Literatur.<br />
Mein Lieblingseröffnungssatz (durch den ich zum ersten Mal nach vielen Jahren des Spracherwerbs überhaupt auch nur entdeckt habe, dass das Englische auch eine schöne, musikalische Sprache ist)?<br />
Lolita.<br />
Einer der größten Romananfänge.<br />
Unbedingt lesen &#8211; gerade wenn Literatur nicht der eigene Beruf sein sollte.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Manuel Clemens		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-530</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel Clemens]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2016 01:26:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Danke für die vielen interessanten Antworten und Hinweise. Sie machen den Test immer spannender ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Danke für die vielen interessanten Antworten und Hinweise. Sie machen den Test immer spannender &#8230;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: J. Christoph Martin		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-529</link>

		<dc:creator><![CDATA[J. Christoph Martin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 20:14:35 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5513#comment-529</guid>

					<description><![CDATA[Ganz tolles Experiment, man könnte es ausweiten, indem man Seite 199 und 299 zusätzlich hineinnimmt. Oder radikaler nur einen Halbsatz kritisiert,
Es gibt so viel tu tun!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ganz tolles Experiment, man könnte es ausweiten, indem man Seite 199 und 299 zusätzlich hineinnimmt. Oder radikaler nur einen Halbsatz kritisiert,<br />
Es gibt so viel tu tun!</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-528</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 14:36:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-527&quot;&gt;Manuel Clemens&lt;/a&gt;.

Das kann jeder selbst entscheiden. Mir geht es dabei um eine Selbstbeobachtung beim Lesen: Was fällt mir auf? Wie &quot;fasst der Text mich an&quot; (so formuliert es der Übersetzer und tell-Autor Frank Heibert)? Und dann die Frage: Wie ist es gemacht, womit erreicht der Autor diesen Effekt bei mir? Auf einer nächsten Stufe wäre dann nach der Haltung des Autors zu fragen, wie Frank Heibert tut (hier sein &lt;a href=&quot;http://tell-review.de/wo-stoesst-der-page-99-test-an-seine-grenzen/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Beitrag &lt;/a&gt;zur Debatte), doch das lässt sich auf einer einzigen Seite nicht immer bestimmen, hier stößt der Test an seine Grenzen. 
MRR beschreibt das sehr schön in seinem Gesprächsband &quot;Der doppelte Boden&quot; (mit Peter von Matt): &quot;Schon während der ersten Lektüre bereitet mir das Buch Vergnügen oder langweilt mich, ich bin an der Sache stark interessiert oder sie lässt mich kalt, ich bin begeistert oder entsetzt. Erst etwas später mache ich mir Gedanken über die Ursachen meines Verhältnisses zu diesem Text. Die notwendigen Argumente sind nicht immer gleich da, aber sie lassen sich schon finden.&quot;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-527">Manuel Clemens</a>.</p>
<p>Das kann jeder selbst entscheiden. Mir geht es dabei um eine Selbstbeobachtung beim Lesen: Was fällt mir auf? Wie &#8222;fasst der Text mich an&#8220; (so formuliert es der Übersetzer und tell-Autor Frank Heibert)? Und dann die Frage: Wie ist es gemacht, womit erreicht der Autor diesen Effekt bei mir? Auf einer nächsten Stufe wäre dann nach der Haltung des Autors zu fragen, wie Frank Heibert tut (hier sein <a href="http://tell-review.de/wo-stoesst-der-page-99-test-an-seine-grenzen/" target="_blank">Beitrag </a>zur Debatte), doch das lässt sich auf einer einzigen Seite nicht immer bestimmen, hier stößt der Test an seine Grenzen.<br />
MRR beschreibt das sehr schön in seinem Gesprächsband &#8222;Der doppelte Boden&#8220; (mit Peter von Matt): &#8222;Schon während der ersten Lektüre bereitet mir das Buch Vergnügen oder langweilt mich, ich bin an der Sache stark interessiert oder sie lässt mich kalt, ich bin begeistert oder entsetzt. Erst etwas später mache ich mir Gedanken über die Ursachen meines Verhältnisses zu diesem Text. Die notwendigen Argumente sind nicht immer gleich da, aber sie lassen sich schon finden.&#8220;</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Manuel Clemens		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-527</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel Clemens]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 14:13:24 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5513#comment-527</guid>

					<description><![CDATA[(Falls ich dazu jemals in eine Diskussion verwickelt werde). Ich werde den Test auch selbst einmal ausprobieren. Nach welchen Kriterien wählt man dann aber innerhalb der Seite 99 aus? Zufall oder nimmt man den Absatz, der einen am meisten anspricht oder abstößt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(Falls ich dazu jemals in eine Diskussion verwickelt werde). Ich werde den Test auch selbst einmal ausprobieren. Nach welchen Kriterien wählt man dann aber innerhalb der Seite 99 aus? Zufall oder nimmt man den Absatz, der einen am meisten anspricht oder abstößt?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Manuel Clemens		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-526</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel Clemens]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 14:09:53 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5513#comment-526</guid>

					<description><![CDATA[Danke, jetzt verstehe ich die Wahl der Seite 99 besser und kann auch das verteidigen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Danke, jetzt verstehe ich die Wahl der Seite 99 besser und kann auch das verteidigen.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-525</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 13:49:52 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5513#comment-525</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-523&quot;&gt;Jürgen Kiel&lt;/a&gt;.

Sie haben recht, ich sollte mehr Ironie üben bzw. selbige deutlicher sichtbar machen. Da mir beim Schreiben die Grenzen des Tests immer gegenwärtig sind, ich es von vornherein als Experiment betrachte und meine &quot;Verdikte&quot; nicht ganz ernst meine, vergesse ich manchmal, dass das für Leser, die an Rezensionen gewöhnt sind, autoritärer daher kommt, als es gedacht ist. Es ist zwiespältig: Einerseits das Spiel der künstlichen Perspektive (niemand liest einen ganzen Roman mit der Lupe, außer Übersetzer, die sich beruflich mit jedem Wort beschäftigen müssen), andererseits aber auch mein Schock über das, was ich manchmal entdecke. Es ist ein doppelter Schock: nicht nur über den Text, sondern auch über die Oberflächlichkeit des gewöhnlichen Lesens (meine eigene natürlich eingeschlossen). 
Ihre Beobachtungen zur Trennung von Sprache und Stil finde ich sehr erhellend. Dass man mit dem Bedürfnis nach Stilkritik manchmal ausgerechnet bei Rezensenten Irritationen auslöst, ist ein Alarmzeichen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-523">Jürgen Kiel</a>.</p>
<p>Sie haben recht, ich sollte mehr Ironie üben bzw. selbige deutlicher sichtbar machen. Da mir beim Schreiben die Grenzen des Tests immer gegenwärtig sind, ich es von vornherein als Experiment betrachte und meine &#8222;Verdikte&#8220; nicht ganz ernst meine, vergesse ich manchmal, dass das für Leser, die an Rezensionen gewöhnt sind, autoritärer daher kommt, als es gedacht ist. Es ist zwiespältig: Einerseits das Spiel der künstlichen Perspektive (niemand liest einen ganzen Roman mit der Lupe, außer Übersetzer, die sich beruflich mit jedem Wort beschäftigen müssen), andererseits aber auch mein Schock über das, was ich manchmal entdecke. Es ist ein doppelter Schock: nicht nur über den Text, sondern auch über die Oberflächlichkeit des gewöhnlichen Lesens (meine eigene natürlich eingeschlossen).<br />
Ihre Beobachtungen zur Trennung von Sprache und Stil finde ich sehr erhellend. Dass man mit dem Bedürfnis nach Stilkritik manchmal ausgerechnet bei Rezensenten Irritationen auslöst, ist ein Alarmzeichen.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Sieglinde Geisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-524</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sieglinde Geisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 13:43:46 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5513#comment-524</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-522&quot;&gt;Manuel Clemens&lt;/a&gt;.

Genau, es könnte auch jede andere sein. Dafür, dass es ausgerechnet die Seite 99 ist, gibt es mehrere gute Gründe, neben dem Reiz der Schnapszahl. Die erste Seite ist nicht repräsentativ für den Stil eines Romans, denn hier ist der Autor noch frisch und zeigt, was er/sie kann. Auf Seite 99 - oder jeder anderen irgendwo im Buch - zeigt sich, ob der Text hält, was die erste Seite verspricht. &quot;Why not look at a book once it has cleared its throat, and is under way?&quot;, so ein &lt;a href=&quot;https://www.theguardian.com/books/booksblog/2010/sep/28/test-novel-before-you-read&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Kommentar &lt;/a&gt;zum Page-99-Test im Guardian, der das Zitat von Ford 2010 wieder ins Spiel gebracht hat. Man könnte auch Seite 111 oder 222 nehmen, doch nicht jeder Roman hat so viele Seiten.  
Übrigens habe ich die Quelle bei Ford nie gefunden, aus der das Zitat stammt. Ein Artikel sagt, es sei eine Äußerung von 1939, das wäre das Todesjahr. Ich kann mir vorstellen, dass es eine Bemerkung war, die er nebenbei hat fallen lassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-522">Manuel Clemens</a>.</p>
<p>Genau, es könnte auch jede andere sein. Dafür, dass es ausgerechnet die Seite 99 ist, gibt es mehrere gute Gründe, neben dem Reiz der Schnapszahl. Die erste Seite ist nicht repräsentativ für den Stil eines Romans, denn hier ist der Autor noch frisch und zeigt, was er/sie kann. Auf Seite 99 &#8211; oder jeder anderen irgendwo im Buch &#8211; zeigt sich, ob der Text hält, was die erste Seite verspricht. &#8222;Why not look at a book once it has cleared its throat, and is under way?&#8220;, so ein <a href="https://www.theguardian.com/books/booksblog/2010/sep/28/test-novel-before-you-read" target="_blank" rel="nofollow">Kommentar </a>zum Page-99-Test im Guardian, der das Zitat von Ford 2010 wieder ins Spiel gebracht hat. Man könnte auch Seite 111 oder 222 nehmen, doch nicht jeder Roman hat so viele Seiten.<br />
Übrigens habe ich die Quelle bei Ford nie gefunden, aus der das Zitat stammt. Ein Artikel sagt, es sei eine Äußerung von 1939, das wäre das Todesjahr. Ich kann mir vorstellen, dass es eine Bemerkung war, die er nebenbei hat fallen lassen.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Jürgen Kiel		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-523</link>

		<dc:creator><![CDATA[Jürgen Kiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 12:45:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Literaturreflexion im Sinne des Page-99-Tests ist Prosakritik, d. h. Sprachkritik. Da jeder Roman aus nichts anderem als aus Sätzen besteht, müsste Prosakritik der Kern jeder Romanrezension sein. Es gibt Gründe, dass dies nicht der Fall ist. Wenn Sprachkritik das Zentrum von Romanrezensionen wäre, würde das die Vorgehensweise vieler Romanrezensionen infrage stellen. Diese besteht darin, dass Romane wie Sachbücher behandelt werden, d. h. Sprache und Inhalt werden zunächst methodisch getrennt, um abschließend separat beurteilt zu werden. Je problemloser dies möglich ist, desto sachbuch- bzw. unterhaltungsförmiger der Roman. Diese Verfahrensweise nutzt der kommerziellen Kommunikation von Romanen. Sprachkritik zielt dagegen auf die Untrennbarkeit von Inhalt und Sprache, im besten Fall macht sie den eigentlichen Inhalt der Prosa erst sichtbar. Sprachkritik ist immer auch moralische Kritik, die dann vertretbar ist, wenn sie streng bei der Sache, also bei den Sätzen bleibt. Auf diesem Hintergrund ist verständlich, dass Literaturkritik als Sprachkritik bei Romanrezensenten Irritationen im Hinblick auf ihr eigenes Tun hervorruft. 
Der Page-99-Test ist möglicherweise in jenen Fällen besonders wirksam und interessant, wenn sich Prosa „künstlerisch“ gibt und komplexe Bedeutungen wortreich suggeriert werden. Rezensenten entledigen sich dieser Herausforderung häufig mit dem Adjektiv „sprachmächtig“, was so viel heißt wie: „Ich möchte mir nicht die Mühe machen, genau hinzuschauen, bin aber irgendwie beeindruckt.“ 
Allerdings macht sich der Test auch angreifbar, weniger durch seine Konzentration auf sprachliche Details, sondern immer dann, wenn kritische Detailbeobachtungen allzu unvermittelt schwergewichtige Urteile hervorbringen. Etwas mehr Ironie wäre nicht schlecht, der Leser weiß dann schon …]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Literaturreflexion im Sinne des Page-99-Tests ist Prosakritik, d. h. Sprachkritik. Da jeder Roman aus nichts anderem als aus Sätzen besteht, müsste Prosakritik der Kern jeder Romanrezension sein. Es gibt Gründe, dass dies nicht der Fall ist. Wenn Sprachkritik das Zentrum von Romanrezensionen wäre, würde das die Vorgehensweise vieler Romanrezensionen infrage stellen. Diese besteht darin, dass Romane wie Sachbücher behandelt werden, d. h. Sprache und Inhalt werden zunächst methodisch getrennt, um abschließend separat beurteilt zu werden. Je problemloser dies möglich ist, desto sachbuch- bzw. unterhaltungsförmiger der Roman. Diese Verfahrensweise nutzt der kommerziellen Kommunikation von Romanen. Sprachkritik zielt dagegen auf die Untrennbarkeit von Inhalt und Sprache, im besten Fall macht sie den eigentlichen Inhalt der Prosa erst sichtbar. Sprachkritik ist immer auch moralische Kritik, die dann vertretbar ist, wenn sie streng bei der Sache, also bei den Sätzen bleibt. Auf diesem Hintergrund ist verständlich, dass Literaturkritik als Sprachkritik bei Romanrezensenten Irritationen im Hinblick auf ihr eigenes Tun hervorruft.<br />
Der Page-99-Test ist möglicherweise in jenen Fällen besonders wirksam und interessant, wenn sich Prosa „künstlerisch“ gibt und komplexe Bedeutungen wortreich suggeriert werden. Rezensenten entledigen sich dieser Herausforderung häufig mit dem Adjektiv „sprachmächtig“, was so viel heißt wie: „Ich möchte mir nicht die Mühe machen, genau hinzuschauen, bin aber irgendwie beeindruckt.“<br />
Allerdings macht sich der Test auch angreifbar, weniger durch seine Konzentration auf sprachliche Details, sondern immer dann, wenn kritische Detailbeobachtungen allzu unvermittelt schwergewichtige Urteile hervorbringen. Etwas mehr Ironie wäre nicht schlecht, der Leser weiß dann schon …</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Manuel Clemens		</title>
		<link>https://tell-review.de/das-kerngeschaeft-der-literaturkritik/#comment-522</link>

		<dc:creator><![CDATA[Manuel Clemens]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Nov 2016 12:26:12 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=5513#comment-522</guid>

					<description><![CDATA[Ich habe überhaut kein Problem mit dem Page-99-Test. Ich verstehe jedoch nicht, wieso es ausgerechnet die 99. Seite sein muss. Es könnte doch auch jede andere sein, oder?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe überhaut kein Problem mit dem Page-99-Test. Ich verstehe jedoch nicht, wieso es ausgerechnet die 99. Seite sein muss. Es könnte doch auch jede andere sein, oder?</p>
]]></content:encoded>
		
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