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	Kommentare zu: Briefe nach Patmos	</title>
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	<link>https://tell-review.de/briefe-nach-patmos/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Mon, 29 Mar 2021 11:56:33 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Herwig Finkeldey		</title>
		<link>https://tell-review.de/briefe-nach-patmos/#comment-13853</link>

		<dc:creator><![CDATA[Herwig Finkeldey]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 11:56:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/briefe-nach-patmos/#comment-13835&quot;&gt;Christian Backes&lt;/a&gt;.

Sehr geehrter Herr Backes. 

Tja.  Ich finde auch so manches seltsam. Zum Beispiel den Tatbestand, dass manche immer so genau wissen, in welcher „Haltung“ ein Text verfasst wurde. Meine „Haltung ist die Hermeneutik des Verdachts“, so erfahre ich durch Ihren Kommentar. Leider ohne Beleg. Oder waren Sie das Teufelchen auf meiner linken Schulter, das mich so von Zeit zu Zeit beim Schreiben heimsucht? Wenn ja, dann war es ein taubes Teufelchen.

Dann erwarten Sie von mir bestimmte Sätze über Querdenker. Und behaupten dreist, ich hätte die Nähe Johannas zu dieser bizarren Truppe nicht deutlich gemacht. Nun, ich habe selten in einer Buchbesprechung so viel zitiert wie hier. Und dabei doch wohl klar ausgedrückt, dass sich das Exquisitfühlen dieser Truppe, der Glaube, man selbst habe die böse Pandemiewelt durchschaut, während die den Maßnahmen gehorchende Masse blöd bleibt, auch bei Johanna findet. Was ist daran unklar geblieben?

Am „schönsten“ aber Ihr letzter Einwand, der eine versteckte Unverschämtheit darstellt. Sie schreiben: „Warum aus letzterem bzw. dem Ansinnen der Figur, die Todesangst zu überwinden – was m. E. nicht möglich ist – nun folgen soll, dass aus ideellen Gründen getötet werden darf, erschließt sich nicht.“
Aber Sie beantworten das doch schon selbst. Nämlich im Absatz vorher!!! 
Dort heißt es: „Wie man mit dem Risiko, sich oder andere mit SARS-Cov-2 zu infizieren, umgeht, hängt auch davon ab, wie man mit dem eigenen Tod umgeht. Vor lauter Todesangst kann man das Leben natürlich verpassen. Umgekehrt wird derjenige mit weniger Todesangst, mehr wagen. Freiheit ist ihm wichtiger als Sicherheit.“
Tja, Herr Backes. Dummerweise geht es in einer Pandemie nie nur um die eigene Sicherheit, sondern auch um die der anderen. Das haben Sie und Ihresgleichen ganz offenkundig noch immer nicht verstanden. Und genau das ist das Grundmuster, das man bei allen Querdussels findet. Die völlige Gleichgültigkeit gegenüber den Gefährdungen anderer Menschen. Denn wie man „mit dem Risiko, sich ODER ANDERE mit SARS-Cov-2 zu infizieren, umgeht“ ist vor allen Dingen eine Frage des Anstandes, zum Beispiel Vorerkrankten gegenüber. „Andere“ haben vielleicht gar keine so große Lust, an Johannas oder auch an Ihrem heroischen, ideelen „Freiheits“kampf gegen das böse, technokratische, todesverdrängende System teilzuhaben. 
Sie mögen in den Situationen, in denen es für andere ungefährlich ist, Ihrem heroischen „Freiheits“-Affen Zucker geben, wie Sie lustig sind. Sie mögen auf eigenes Risiko solange irgendeinen Thrill genießen, bis die Adrenalinspeicher ihres Nebennierenmarks leer sind oder der Grizzly Sie verspeist hat. 
Wenn es aber andere gefährdet – und das tut es im Fall der Querdusselei nun einmal - , dann ist mir Ihr oder Johannas oder auch Thea Dorns Bedürfnis nach einem Aufstand gegen die Thanatophobie ziemlich schnuppe.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/briefe-nach-patmos/#comment-13835">Christian Backes</a>.</p>
<p>Sehr geehrter Herr Backes. </p>
<p>Tja.  Ich finde auch so manches seltsam. Zum Beispiel den Tatbestand, dass manche immer so genau wissen, in welcher „Haltung“ ein Text verfasst wurde. Meine „Haltung ist die Hermeneutik des Verdachts“, so erfahre ich durch Ihren Kommentar. Leider ohne Beleg. Oder waren Sie das Teufelchen auf meiner linken Schulter, das mich so von Zeit zu Zeit beim Schreiben heimsucht? Wenn ja, dann war es ein taubes Teufelchen.</p>
<p>Dann erwarten Sie von mir bestimmte Sätze über Querdenker. Und behaupten dreist, ich hätte die Nähe Johannas zu dieser bizarren Truppe nicht deutlich gemacht. Nun, ich habe selten in einer Buchbesprechung so viel zitiert wie hier. Und dabei doch wohl klar ausgedrückt, dass sich das Exquisitfühlen dieser Truppe, der Glaube, man selbst habe die böse Pandemiewelt durchschaut, während die den Maßnahmen gehorchende Masse blöd bleibt, auch bei Johanna findet. Was ist daran unklar geblieben?</p>
<p>Am „schönsten“ aber Ihr letzter Einwand, der eine versteckte Unverschämtheit darstellt. Sie schreiben: „Warum aus letzterem bzw. dem Ansinnen der Figur, die Todesangst zu überwinden – was m. E. nicht möglich ist – nun folgen soll, dass aus ideellen Gründen getötet werden darf, erschließt sich nicht.“<br />
Aber Sie beantworten das doch schon selbst. Nämlich im Absatz vorher!!!<br />
Dort heißt es: „Wie man mit dem Risiko, sich oder andere mit SARS-Cov-2 zu infizieren, umgeht, hängt auch davon ab, wie man mit dem eigenen Tod umgeht. Vor lauter Todesangst kann man das Leben natürlich verpassen. Umgekehrt wird derjenige mit weniger Todesangst, mehr wagen. Freiheit ist ihm wichtiger als Sicherheit.“<br />
Tja, Herr Backes. Dummerweise geht es in einer Pandemie nie nur um die eigene Sicherheit, sondern auch um die der anderen. Das haben Sie und Ihresgleichen ganz offenkundig noch immer nicht verstanden. Und genau das ist das Grundmuster, das man bei allen Querdussels findet. Die völlige Gleichgültigkeit gegenüber den Gefährdungen anderer Menschen. Denn wie man „mit dem Risiko, sich ODER ANDERE mit SARS-Cov-2 zu infizieren, umgeht“ ist vor allen Dingen eine Frage des Anstandes, zum Beispiel Vorerkrankten gegenüber. „Andere“ haben vielleicht gar keine so große Lust, an Johannas oder auch an Ihrem heroischen, ideelen „Freiheits“kampf gegen das böse, technokratische, todesverdrängende System teilzuhaben.<br />
Sie mögen in den Situationen, in denen es für andere ungefährlich ist, Ihrem heroischen „Freiheits“-Affen Zucker geben, wie Sie lustig sind. Sie mögen auf eigenes Risiko solange irgendeinen Thrill genießen, bis die Adrenalinspeicher ihres Nebennierenmarks leer sind oder der Grizzly Sie verspeist hat.<br />
Wenn es aber andere gefährdet – und das tut es im Fall der Querdusselei nun einmal &#8211; , dann ist mir Ihr oder Johannas oder auch Thea Dorns Bedürfnis nach einem Aufstand gegen die Thanatophobie ziemlich schnuppe.</p>
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		Von: Christian Backes		</title>
		<link>https://tell-review.de/briefe-nach-patmos/#comment-13835</link>

		<dc:creator><![CDATA[Christian Backes]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Mar 2021 16:44:26 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://tell-review.de/?p=101310#comment-13835</guid>

					<description><![CDATA[Sehr geehrter Herr Finkelday,

seltsam finde ich, ein Buch dafür zu kritisieren, dass darin eine Figur Gedanken äußert, die man selbst nicht teilt. Der fiktive Rahmen bietet in der Regel Gelegenheit, sich in eine Figur hineinzuversetzen, aus deren Perspektive eine Weltsicht plausibel wird, die einem fremd ist oder die man ablehnt. Anscheinend ist Thea Dorn das mit ihrer Figur nicht gelungen. Das weiss ich nicht. Bei der Haltung, die Sie als Leser zeigen, hätte es ihr aber auch kaum gelingen können. Diese Haltung ist die Hermeneutik des Verdachts. Die Gedanken der Figur werden in die Nähe der Querdenker gerückt - was offenbar &quot;pfui&quot; ist. Es wird aber nicht klar, was diese Nähe ausmacht. Ein fertig ausformuliertes Weltbild von Querdenkern ist mir nicht bekannt. Von Videoaufnahmen von Demos - ich selbst war auf keiner solchen - habe ich den Eindruck gewonnen, dass da ganz unterschiedliche Menschen mit einem unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergrund zugegen waren. Ich erinnere mich, dass man sich auf das Grundgesetz berufen hat. Ich erwarte nun von Ihnen die Sätze: &quot;Da kippt der Text. Indem xy sich auf das Grundgesetz beruft, zeigt er eine fatale Nähe zu den Querdenkern.&quot; Welche Ansichten vertreten die Reichstagsstürmer? Es handelte sich um Reichsbürger, die, von einer Heilpraktikerin aus der Eifel aufgestachelt, glaubten, Donald Trump sei im Reichstag eingetroffen, um den von ihnen ersehnten Friedensvertrag zu unterzeichnen. So etwas denkt auch Thea Dorns Figur?

Wenn die Figur von Aufstand gegen Technokratie und Thanatophobie redet, klingt das in der Tat pubertär. In ihrer Verzweiflung fällt die Figur anscheinend in ein pubertäres Pathos. Den Kern des Gedankens teile ich. Im Pandemieregime treten m. E. sehr deutlich technokratische und phobokratische Ansätze zu Tage.
Ebenfalls kann ich eine fehlende Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit bemerken. Meine Gedanken gehen in eine ähnliche Richtung wie die von Frank Hahn auf dieser Seite. Wie man mit dem Risiko, sich oder andere mit SARS-Cov-2 zu infizieren, umgeht, hängt auch davon ab, wie man mit dem eigenen Tod umgeht. Vor lauter Todesangst kann man das Leben natürlich verpassen. Umgekehrt wird derjenige mit weniger Todesangst, mehr wagen. Freiheit ist ihm wichtiger als Sicherheit. Warum aus letzterem bzw. dem Ansinnen der Figur, die Todesangst zu überwinden - was m. E. nicht möglich ist - nun folgen soll, dass aus ideellen Gründen getötet werden darf, erschließt sich nicht. M. E. ist das eine Unterstellung.

Camus &quot;Mythos vom Sisyphos&quot; habe ich tatsächlich in der Pubertät gelesen. Gerade darin, in der Annahme einer absurden Welt, sehe ich eine heroische Pose.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr Finkelday,</p>
<p>seltsam finde ich, ein Buch dafür zu kritisieren, dass darin eine Figur Gedanken äußert, die man selbst nicht teilt. Der fiktive Rahmen bietet in der Regel Gelegenheit, sich in eine Figur hineinzuversetzen, aus deren Perspektive eine Weltsicht plausibel wird, die einem fremd ist oder die man ablehnt. Anscheinend ist Thea Dorn das mit ihrer Figur nicht gelungen. Das weiss ich nicht. Bei der Haltung, die Sie als Leser zeigen, hätte es ihr aber auch kaum gelingen können. Diese Haltung ist die Hermeneutik des Verdachts. Die Gedanken der Figur werden in die Nähe der Querdenker gerückt &#8211; was offenbar &#8222;pfui&#8220; ist. Es wird aber nicht klar, was diese Nähe ausmacht. Ein fertig ausformuliertes Weltbild von Querdenkern ist mir nicht bekannt. Von Videoaufnahmen von Demos &#8211; ich selbst war auf keiner solchen &#8211; habe ich den Eindruck gewonnen, dass da ganz unterschiedliche Menschen mit einem unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergrund zugegen waren. Ich erinnere mich, dass man sich auf das Grundgesetz berufen hat. Ich erwarte nun von Ihnen die Sätze: &#8222;Da kippt der Text. Indem xy sich auf das Grundgesetz beruft, zeigt er eine fatale Nähe zu den Querdenkern.&#8220; Welche Ansichten vertreten die Reichstagsstürmer? Es handelte sich um Reichsbürger, die, von einer Heilpraktikerin aus der Eifel aufgestachelt, glaubten, Donald Trump sei im Reichstag eingetroffen, um den von ihnen ersehnten Friedensvertrag zu unterzeichnen. So etwas denkt auch Thea Dorns Figur?</p>
<p>Wenn die Figur von Aufstand gegen Technokratie und Thanatophobie redet, klingt das in der Tat pubertär. In ihrer Verzweiflung fällt die Figur anscheinend in ein pubertäres Pathos. Den Kern des Gedankens teile ich. Im Pandemieregime treten m. E. sehr deutlich technokratische und phobokratische Ansätze zu Tage.<br />
Ebenfalls kann ich eine fehlende Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit bemerken. Meine Gedanken gehen in eine ähnliche Richtung wie die von Frank Hahn auf dieser Seite. Wie man mit dem Risiko, sich oder andere mit SARS-Cov-2 zu infizieren, umgeht, hängt auch davon ab, wie man mit dem eigenen Tod umgeht. Vor lauter Todesangst kann man das Leben natürlich verpassen. Umgekehrt wird derjenige mit weniger Todesangst, mehr wagen. Freiheit ist ihm wichtiger als Sicherheit. Warum aus letzterem bzw. dem Ansinnen der Figur, die Todesangst zu überwinden &#8211; was m. E. nicht möglich ist &#8211; nun folgen soll, dass aus ideellen Gründen getötet werden darf, erschließt sich nicht. M. E. ist das eine Unterstellung.</p>
<p>Camus &#8222;Mythos vom Sisyphos&#8220; habe ich tatsächlich in der Pubertät gelesen. Gerade darin, in der Annahme einer absurden Welt, sehe ich eine heroische Pose.</p>
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