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	Kommentare zu: Braucht die Kunst den Mythos?	</title>
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	<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/</link>
	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Mar 2017 23:41:05 +0000</lastBuildDate>
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		<title>
		Von: Anselm Bühling		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-638</link>

		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Mar 2017 23:41:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-636&quot;&gt;ziggev&lt;/a&gt;.

Diesen Vorschlag finde ich spannend: das Mythische strukturell aufzufassen, als eine Funktion des Textes. Oder, anders gesagt, als einen Prozess, der beim Lesen ausgelöst wird und prinzipiell unabschließbar ist.

Das bringt die Diskussion einen entscheidenden Schritt weiter, weil so ganz deutlich wird, dass es nicht um den Inhalt geht. Es gibt viele literarische Werke, die mythische Stoffe zweit- oder drittverwerten und dabei völlig belanglos sind: Buchdeckel zu, keine Fragen offen, schon vergessen. Und es gibt andere, die von ganz Diesseitigem und Alltäglichem handeln und einen nach dem Lesen nie wieder loslassen.

Auch die feine Unterscheidung zwischen Verzauberung und Wiederverzauberung am Ende ist sehr hilfreich und wichtig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-636">ziggev</a>.</p>
<p>Diesen Vorschlag finde ich spannend: das Mythische strukturell aufzufassen, als eine Funktion des Textes. Oder, anders gesagt, als einen Prozess, der beim Lesen ausgelöst wird und prinzipiell unabschließbar ist.</p>
<p>Das bringt die Diskussion einen entscheidenden Schritt weiter, weil so ganz deutlich wird, dass es nicht um den Inhalt geht. Es gibt viele literarische Werke, die mythische Stoffe zweit- oder drittverwerten und dabei völlig belanglos sind: Buchdeckel zu, keine Fragen offen, schon vergessen. Und es gibt andere, die von ganz Diesseitigem und Alltäglichem handeln und einen nach dem Lesen nie wieder loslassen.</p>
<p>Auch die feine Unterscheidung zwischen Verzauberung und Wiederverzauberung am Ende ist sehr hilfreich und wichtig.</p>
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			</item>
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		<title>
		Von: holio (@holiode)		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-637</link>

		<dc:creator><![CDATA[holio (@holiode)]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Mar 2017 21:44:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mythen wie Medea, da findet mann sich weniger wieder, m.M.. Sind zu menschheitsübergreifend. Eher in Franz Kafka mag mann sich finden, oder anderen minderen Werken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mythen wie Medea, da findet mann sich weniger wieder, m.M.. Sind zu menschheitsübergreifend. Eher in Franz Kafka mag mann sich finden, oder anderen minderen Werken.</p>
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		<item>
		<title>
		Von: ziggev		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-636</link>

		<dc:creator><![CDATA[ziggev]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Mar 2017 18:19:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vorschlag, den Mythos eher &quot;strukturell&quot; aufzufassen:

Sollten uns nicht die wiederkehrenden u. abgewandelten Muster im Mythos nicht als Hinweis darauf gelten, dass wir es mit Strukturen zu tun haben - darauf, dass weder Mythen noch Dichtung uns einen direkten Weg zur &quot;Transzendenz&quot;, zur Beantwortung &quot;letzter Fragen&quot; offenbaren? Handelt es sich nicht eher um ein unendliches Umkreisen jener Fragen, mit dem immer wieder neu begonnen werden kann, auf immer wieder unterschiedliche Weise, nicht nur in verschiedenen Kulturen, sondern auch in ein und derselben? So wurden die verschiedenen Götter- und Heldengeschichten im alten Griechenland von Insel zu Insel von einander abweichend, mit anderen Göttern, die einander stellvertreten erzählt. Wir dürfen auch annehmen, dass Dichter nicht mehr unbedingt an diese Sagen glaubten, dennoch sie neu erfanden weiterspannen usw.

Das &quot;spirituelle&quot; Potenzial von Literatur - auch von Mythen - bin ich daher durchaus geneigt beim Leser zu suchen. Das Drama von Ego und Selbst (wie in &#039;Satz für Satz 8&#039; beschrieben), in welchem sich der Leser wiedererkennen kann, würde ich recht umstandslos mit dem Bildungserlebis gleichsetzen.

Hierzu nun eine eher &quot;strukturelle&quot; Auffassung des Mythos: Mythen sind Zeichen, die mehr bedeuten, als eine triviale Darstellung zu leisten im Stande wäre. - Oder eben mehr zu bedeuten &lt;i&gt;scheinen&lt;/i&gt;, als eine simple Tatsachenaufzählung, um von einer Begebenheit zu erzählen oder von einem Ding oder Erscheinung welcher Art auch immer. Etwas technischer ausgedrückt, es handelt sich um &quot;unterdeterminierte&quot; Zeichen - jede Deutung bleibt unabgeschlossen.

Deutet nicht bereits diese unendliche Kreisbewegung des Mythos darauf hin? Wir kommen nicht an ein Ende - wir stoßen stattdessen wiederum auf ein nicht endgültig ausdeutbares Zeichen und immer so weiter. Gäbe es ein Ende in der Reihe solcher Symbole, würde es trivial werden: Wir hätten Archetypen. Als Beispiel würde ich schlechte Horror-Filme heranziehen: Blut, hat verlängerte Eckschneidezähne, Fledermaus - es bleiben keine Fragen offen. Aber weiter: Verfolgen wir den Odysseus-Mythos zu seinen &quot;Anfängen&quot; zurück, befinden wir uns unvermittelt in einem schier unentwirrbaren Geflecht von Anekdoten, Topoi und Verweisen. Die Reise, die der Leser oder die Leserin dabei unternimmt, muss nicht eine Reise ins Unterbewusstsein sein, nein, es hängt ganz allein von der Phantasie ab, von der Bereitschaft den eigenen Assoziations-Raum zu öffnen oder sich der Vielfalt der möglichen, ganz persönlichen Assoziationen zu überlassen. Und dies kann auch ganz bewusst vor sich gehen.

Insofern braucht (tiefe) Dichtung nicht den Mythos oder bestimmte Erzählmuster (eher braucht der Mythos die künstlerische Darstellung), sondern eine mythologische Struktur, die zu solchen nachmittäglichen Tagträumereien einlädt. Es sind nicht-triviale Zeichen, die immer wieder nur auf ebensolche verweisen. Tiefe würde dann an der Komplexität dieser Verweise der Zeichen auf einander hängen. Wie bereits das Wort Dichtung besagt, steigert sich die Komplexität durch Verdichtung. Diese Assoziationen können nun auch &quot;intertextuell&quot; bereitgestellt werden. Durch literarische Verweise, Verweise auf Werke der bildenden Kunst, als welche sich die Mythen im klassischen Sinne &lt;i&gt;immer&lt;/i&gt; darbieten, sprich: Auf andere Bildungserlebnisse. Idee zur Transzendenz: Das Subjekt, das sich durch diese Kreisbewegungen immer weiter anreichert (sich &quot;bildet&quot;), könnte die potenziell unendliche Masse an Assoziationen nicht verarbeiten, hätte es nicht diesen Ruhepol, in &#039;Satz für Satz 8&#039; &quot;Selbst&quot; genannt.

Ich würde also argumentieren, dass Kunst nicht die Fortsetzung des Mythos ist. Die Mittel gleichen sich. Die Rätselhaftigkeit der Sphinx, eines übergroßen Symbols, dürfte zu Homers Zeiten den Protagonisten nicht anders erschienen sein als uns. Natürlich ist dieselbe durch Mythen, die auf sie verweisen, aufgeladen. Da wir nicht wissen, &quot;was diese Steinzeitmenschen sich eigentlich dabei dachten&quot;, als sie jene wunderbaren Hölenmalereien schufen, gibt es nur einen naheliegenden, plausiblen Schluss: Es handelte sich um l´art pour l´art !

Wenn ich sage, die Mythen hätten bereits ursprünglich &quot;Antworten&quot; auf &quot;letzte Fragen&quot; geliefert, dann muss sich doch die Frage stellen, was wir unter einer angeblichen neuerlichen &quot;metaphysischen Obdachlosigkeit&quot; eigentlich verstehen wollen, - wenn wir annehmen, dass die Mythen als Deutungsmuster heute noch funktionieren oder, wie ich vorschlagen möchte, wenn sie dieselbe - mythologische - Struktur aufweisen wie Dichtung unserer Tage bzw. heutige Dichtung die von überlieferten Mythen.

Verzauberung - da mache ich mit. Wiederverzauberung - hier würde ich eher ein Fragezeichen dahinter setzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vorschlag, den Mythos eher &#8222;strukturell&#8220; aufzufassen:</p>
<p>Sollten uns nicht die wiederkehrenden u. abgewandelten Muster im Mythos nicht als Hinweis darauf gelten, dass wir es mit Strukturen zu tun haben &#8211; darauf, dass weder Mythen noch Dichtung uns einen direkten Weg zur &#8222;Transzendenz&#8220;, zur Beantwortung &#8222;letzter Fragen&#8220; offenbaren? Handelt es sich nicht eher um ein unendliches Umkreisen jener Fragen, mit dem immer wieder neu begonnen werden kann, auf immer wieder unterschiedliche Weise, nicht nur in verschiedenen Kulturen, sondern auch in ein und derselben? So wurden die verschiedenen Götter- und Heldengeschichten im alten Griechenland von Insel zu Insel von einander abweichend, mit anderen Göttern, die einander stellvertreten erzählt. Wir dürfen auch annehmen, dass Dichter nicht mehr unbedingt an diese Sagen glaubten, dennoch sie neu erfanden weiterspannen usw.</p>
<p>Das &#8222;spirituelle&#8220; Potenzial von Literatur &#8211; auch von Mythen &#8211; bin ich daher durchaus geneigt beim Leser zu suchen. Das Drama von Ego und Selbst (wie in &#8218;Satz für Satz 8&#8216; beschrieben), in welchem sich der Leser wiedererkennen kann, würde ich recht umstandslos mit dem Bildungserlebis gleichsetzen.</p>
<p>Hierzu nun eine eher &#8222;strukturelle&#8220; Auffassung des Mythos: Mythen sind Zeichen, die mehr bedeuten, als eine triviale Darstellung zu leisten im Stande wäre. &#8211; Oder eben mehr zu bedeuten <i>scheinen</i>, als eine simple Tatsachenaufzählung, um von einer Begebenheit zu erzählen oder von einem Ding oder Erscheinung welcher Art auch immer. Etwas technischer ausgedrückt, es handelt sich um &#8222;unterdeterminierte&#8220; Zeichen &#8211; jede Deutung bleibt unabgeschlossen.</p>
<p>Deutet nicht bereits diese unendliche Kreisbewegung des Mythos darauf hin? Wir kommen nicht an ein Ende &#8211; wir stoßen stattdessen wiederum auf ein nicht endgültig ausdeutbares Zeichen und immer so weiter. Gäbe es ein Ende in der Reihe solcher Symbole, würde es trivial werden: Wir hätten Archetypen. Als Beispiel würde ich schlechte Horror-Filme heranziehen: Blut, hat verlängerte Eckschneidezähne, Fledermaus &#8211; es bleiben keine Fragen offen. Aber weiter: Verfolgen wir den Odysseus-Mythos zu seinen &#8222;Anfängen&#8220; zurück, befinden wir uns unvermittelt in einem schier unentwirrbaren Geflecht von Anekdoten, Topoi und Verweisen. Die Reise, die der Leser oder die Leserin dabei unternimmt, muss nicht eine Reise ins Unterbewusstsein sein, nein, es hängt ganz allein von der Phantasie ab, von der Bereitschaft den eigenen Assoziations-Raum zu öffnen oder sich der Vielfalt der möglichen, ganz persönlichen Assoziationen zu überlassen. Und dies kann auch ganz bewusst vor sich gehen.</p>
<p>Insofern braucht (tiefe) Dichtung nicht den Mythos oder bestimmte Erzählmuster (eher braucht der Mythos die künstlerische Darstellung), sondern eine mythologische Struktur, die zu solchen nachmittäglichen Tagträumereien einlädt. Es sind nicht-triviale Zeichen, die immer wieder nur auf ebensolche verweisen. Tiefe würde dann an der Komplexität dieser Verweise der Zeichen auf einander hängen. Wie bereits das Wort Dichtung besagt, steigert sich die Komplexität durch Verdichtung. Diese Assoziationen können nun auch &#8222;intertextuell&#8220; bereitgestellt werden. Durch literarische Verweise, Verweise auf Werke der bildenden Kunst, als welche sich die Mythen im klassischen Sinne <i>immer</i> darbieten, sprich: Auf andere Bildungserlebnisse. Idee zur Transzendenz: Das Subjekt, das sich durch diese Kreisbewegungen immer weiter anreichert (sich &#8222;bildet&#8220;), könnte die potenziell unendliche Masse an Assoziationen nicht verarbeiten, hätte es nicht diesen Ruhepol, in &#8218;Satz für Satz 8&#8216; &#8222;Selbst&#8220; genannt.</p>
<p>Ich würde also argumentieren, dass Kunst nicht die Fortsetzung des Mythos ist. Die Mittel gleichen sich. Die Rätselhaftigkeit der Sphinx, eines übergroßen Symbols, dürfte zu Homers Zeiten den Protagonisten nicht anders erschienen sein als uns. Natürlich ist dieselbe durch Mythen, die auf sie verweisen, aufgeladen. Da wir nicht wissen, &#8222;was diese Steinzeitmenschen sich eigentlich dabei dachten&#8220;, als sie jene wunderbaren Hölenmalereien schufen, gibt es nur einen naheliegenden, plausiblen Schluss: Es handelte sich um l´art pour l´art !</p>
<p>Wenn ich sage, die Mythen hätten bereits ursprünglich &#8222;Antworten&#8220; auf &#8222;letzte Fragen&#8220; geliefert, dann muss sich doch die Frage stellen, was wir unter einer angeblichen neuerlichen &#8222;metaphysischen Obdachlosigkeit&#8220; eigentlich verstehen wollen, &#8211; wenn wir annehmen, dass die Mythen als Deutungsmuster heute noch funktionieren oder, wie ich vorschlagen möchte, wenn sie dieselbe &#8211; mythologische &#8211; Struktur aufweisen wie Dichtung unserer Tage bzw. heutige Dichtung die von überlieferten Mythen.</p>
<p>Verzauberung &#8211; da mache ich mit. Wiederverzauberung &#8211; hier würde ich eher ein Fragezeichen dahinter setzen.</p>
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		<item>
		<title>
		Von: mckielly		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-632</link>

		<dc:creator><![CDATA[mckielly]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2017 18:44:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Jahrhundertelang verwendete die Kunst Mythen als Reservoir zur Erzeugung von Bedeutsamkeit. Wenn ein zeitgenössischer Autor seine Geschichte etwa mit einer Erzählung aus Ovid oder der Bibel durchwirkt bzw. den Mythos „weiterschreibt“, dient dies im besten Fall dazu, seiner Geschichte eine zweite Ebene zu verleihen, die auf einen Bildungshintergrund verweist, den vermutlich immer weniger Leser haben oder auch nur relevant finden. Aber wer wird dadurch existenziell berührt, wer meint, dass „seine Sache“ verhandelt würde? Vielleicht sind nur die Mythen wirklich mächtig, die nicht in der Wikipedia erklärt werden, sondern durch die Literatur erst entdeckt werden, indem sie Mythisches nicht auf den Begriff bringt, sondern sichtbar macht, wie Wasser die Umrisse einer im Sand verborgene Figur. Ist nicht beispielsweise die Vorstellung vom erfüllten Leben als zu erreichendem Ziel eine allgemein akzeptierte Erzählung, die ein Roman als zeitgenössischen Mythos darzustellen und gleichzeitig in einer Gegen-Erzählung zu dekonstruieren vermag?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jahrhundertelang verwendete die Kunst Mythen als Reservoir zur Erzeugung von Bedeutsamkeit. Wenn ein zeitgenössischer Autor seine Geschichte etwa mit einer Erzählung aus Ovid oder der Bibel durchwirkt bzw. den Mythos „weiterschreibt“, dient dies im besten Fall dazu, seiner Geschichte eine zweite Ebene zu verleihen, die auf einen Bildungshintergrund verweist, den vermutlich immer weniger Leser haben oder auch nur relevant finden. Aber wer wird dadurch existenziell berührt, wer meint, dass „seine Sache“ verhandelt würde? Vielleicht sind nur die Mythen wirklich mächtig, die nicht in der Wikipedia erklärt werden, sondern durch die Literatur erst entdeckt werden, indem sie Mythisches nicht auf den Begriff bringt, sondern sichtbar macht, wie Wasser die Umrisse einer im Sand verborgene Figur. Ist nicht beispielsweise die Vorstellung vom erfüllten Leben als zu erreichendem Ziel eine allgemein akzeptierte Erzählung, die ein Roman als zeitgenössischen Mythos darzustellen und gleichzeitig in einer Gegen-Erzählung zu dekonstruieren vermag?</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Frank Heibert		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-634</link>

		<dc:creator><![CDATA[Frank Heibert]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2017 18:37:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-630&quot;&gt;sgeisel&lt;/a&gt;.

Dank Euch für diese Vertiefung. Das rührt genau an mein Motiv für die Nachfrage. Ich glaube, Befangenheit ist erstmal gut — denn es gibt ja die verschiedensten Beispiele für eine ideologisch eingefärbte Funktionalisierung der letzten Dinge (Mythen oder Transzendenz, je nachdem), ob nun durch Religionen, Nazis, Esos oder was auch immer. Das Bedürfnis danach, ohne Scheu von den letzten Dingen zu reden oder auch nur in ihre Richtung zu blicken, ist natürlich absolut legitim. Aber weil dieser Bereich so heikel und vermutlich individuell so verschiedenartig ist, kommen wir wohl auch nicht drum herum, Präzisierungen, Unbedenklichkeitserklärungen, Einordnungen abzugeben. Das finde ich aber gut so. Im privaten Kontext (me myself and I) oder mit Vertrauten muss man das vielleicht weniger. Doch sobald das Ganze öffentlicher diskutiert wird, schadet es nicht, der Befangenheit Tribut zu zollen. Was ist daran falsch, den „letzten Dingen“ gegenüber Respekt (also eine Form von Scheu) zu empfinden? Unschuldig ist dieses Terrain höchstens im Privaten, weil man ja weiß, was man meint und nicht meint. Und „groß“, also ehrfurchtgebietend, sind „letzte Dinge“ immer.
Die Frage danach, wie wir reden, denken, leben würden, wenn es anders wäre, weist ins Utopische. Damit unser Verhältnis gegenüber den letzten Dingen anders sein könnte, müsste noch vieles mehr anders sein — davon sind wir also deutlich entfernt.
Aber dass wir uns hier drüber austauschen, ist doch schon mal gar nicht so übel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-630">sgeisel</a>.</p>
<p>Dank Euch für diese Vertiefung. Das rührt genau an mein Motiv für die Nachfrage. Ich glaube, Befangenheit ist erstmal gut — denn es gibt ja die verschiedensten Beispiele für eine ideologisch eingefärbte Funktionalisierung der letzten Dinge (Mythen oder Transzendenz, je nachdem), ob nun durch Religionen, Nazis, Esos oder was auch immer. Das Bedürfnis danach, ohne Scheu von den letzten Dingen zu reden oder auch nur in ihre Richtung zu blicken, ist natürlich absolut legitim. Aber weil dieser Bereich so heikel und vermutlich individuell so verschiedenartig ist, kommen wir wohl auch nicht drum herum, Präzisierungen, Unbedenklichkeitserklärungen, Einordnungen abzugeben. Das finde ich aber gut so. Im privaten Kontext (me myself and I) oder mit Vertrauten muss man das vielleicht weniger. Doch sobald das Ganze öffentlicher diskutiert wird, schadet es nicht, der Befangenheit Tribut zu zollen. Was ist daran falsch, den „letzten Dingen“ gegenüber Respekt (also eine Form von Scheu) zu empfinden? Unschuldig ist dieses Terrain höchstens im Privaten, weil man ja weiß, was man meint und nicht meint. Und „groß“, also ehrfurchtgebietend, sind „letzte Dinge“ immer.<br />
Die Frage danach, wie wir reden, denken, leben würden, wenn es anders wäre, weist ins Utopische. Damit unser Verhältnis gegenüber den letzten Dingen anders sein könnte, müsste noch vieles mehr anders sein — davon sind wir also deutlich entfernt.<br />
Aber dass wir uns hier drüber austauschen, ist doch schon mal gar nicht so übel.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Anselm Bühling		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-631</link>

		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2017 15:54:13 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=6871#comment-631</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-630&quot;&gt;sgeisel&lt;/a&gt;.

„In Ermangelung genauerer Begriffe“ – das scheint mir den entscheidenden Punkt zu treffen. „Spiritualität“ oder „Transzendenz“ sind Begriffe, die auf etwas deuten, das jenseits des konkret Fassbaren liegt und sich nicht näher bestimmen lässt. Das macht sie so verführerisch für die Eso-Ecke und lädt zum inflationären Gebrauch ein. Man ist mit diesen Begriffen ganz schnell im Ungefähren, wo man keine Rechenschaft mehr ablegen muss. Weil die Begriffe selbst nicht genau sind (und per definitionem nicht sein können), muss man um so genauer sein, wenn man sie gebraucht. 
In der Tat: Wie wäre es, ohne Scheu von den letzten Dingen zu reden? Ist es denkbar, das auf eine Weise zu tun, die allgegenwärtig und vertraut wäre, ohne ins Banale und Inflationäre abzukippen? Oder ist Befangenheit hier gerade die angemessene Haltung – die einzig mögliche Art und Weise, das ernst zu nehmen, was sich nicht ohne Weiteres sagen lässt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-630">sgeisel</a>.</p>
<p>„In Ermangelung genauerer Begriffe“ – das scheint mir den entscheidenden Punkt zu treffen. „Spiritualität“ oder „Transzendenz“ sind Begriffe, die auf etwas deuten, das jenseits des konkret Fassbaren liegt und sich nicht näher bestimmen lässt. Das macht sie so verführerisch für die Eso-Ecke und lädt zum inflationären Gebrauch ein. Man ist mit diesen Begriffen ganz schnell im Ungefähren, wo man keine Rechenschaft mehr ablegen muss. Weil die Begriffe selbst nicht genau sind (und per definitionem nicht sein können), muss man um so genauer sein, wenn man sie gebraucht.<br />
In der Tat: Wie wäre es, ohne Scheu von den letzten Dingen zu reden? Ist es denkbar, das auf eine Weise zu tun, die allgegenwärtig und vertraut wäre, ohne ins Banale und Inflationäre abzukippen? Oder ist Befangenheit hier gerade die angemessene Haltung – die einzig mögliche Art und Weise, das ernst zu nehmen, was sich nicht ohne Weiteres sagen lässt?</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: sgeisel		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-630</link>

		<dc:creator><![CDATA[sgeisel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2017 13:46:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=6871#comment-630</guid>

					<description><![CDATA[Einerseits verstehe ich diese Vorbehalte, ich spüre sie ja auch selbst, wenn ich mich dieser Materie zuwende. Andererseits wünsche ich mir einen unbefangeneren Umgang mit dem, was wir, in Ermangelung genauerer Begriffe, &quot;Spiritualität&quot; oder &quot;Transzendenz&quot; nennen. Mir ist es, als müsste ich dabei ständig Unbedenklichkeitserklärungen abgegen (was für ein irres Wort, übrigens), in vorauseilendem Abwiegeln deutlich machen, dass ich nicht in die billige Eso-Ecke gehöre. Dass das Bedürfnis nach Spiritualität, wie jedes menschliche Bedürfnis, missbraucht werden kann, bedeutet ja nicht, dass mit der Sache selbst etwas von vornherein nicht stimmt. 
Ich würde gern genauer ergründen, woher unsere Scheu vor diesen &quot;letzten&quot; Dingen kommt. Und ich würde gern wissen, wie wir reden, denken, leben würden, wenn es anders wäre.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einerseits verstehe ich diese Vorbehalte, ich spüre sie ja auch selbst, wenn ich mich dieser Materie zuwende. Andererseits wünsche ich mir einen unbefangeneren Umgang mit dem, was wir, in Ermangelung genauerer Begriffe, &#8222;Spiritualität&#8220; oder &#8222;Transzendenz&#8220; nennen. Mir ist es, als müsste ich dabei ständig Unbedenklichkeitserklärungen abgegen (was für ein irres Wort, übrigens), in vorauseilendem Abwiegeln deutlich machen, dass ich nicht in die billige Eso-Ecke gehöre. Dass das Bedürfnis nach Spiritualität, wie jedes menschliche Bedürfnis, missbraucht werden kann, bedeutet ja nicht, dass mit der Sache selbst etwas von vornherein nicht stimmt.<br />
Ich würde gern genauer ergründen, woher unsere Scheu vor diesen &#8222;letzten&#8220; Dingen kommt. Und ich würde gern wissen, wie wir reden, denken, leben würden, wenn es anders wäre.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Anselm Bühling		</title>
		<link>https://tell-review.de/braucht-die-kunst-den-mythos/#comment-629</link>

		<dc:creator><![CDATA[Anselm Bühling]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2017 12:51:41 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://tell-review.de/?p=6871#comment-629</guid>

					<description><![CDATA[Danke für das anregende Gespräch! Manchen Themen wird man am besten gerecht, indem man sich von zwei Seiten darauf zubewegt. Die Frage nach dem Mythischen in der Kunst ist ein gutes Beispiel dafür. Viele scheuen sich, die „ganz großen Begriffe“ wie Mythos, Spiritualität, Transzendenz, Metaphysik überhaupt ins Spiel zu bringen, weil sie von vornherein unter Pathosverdacht stehen. Dabei können sie sehr hilfreich sein, wenn man sie genau befragt und nicht als Imponiersignale einsetzt. 
Trotzdem bleibt es riskant, mit diesen Begriffen zu arbeiten. Wenn sie freie Bahn kriegen, entfalten sie eine Sogwirkung: Sie heben den Gegenstand, auf den sie angewandt werden, auf eine Ebene, auf der er allen konkreten Fragen, Beobachtungen und Einwänden entzogen zu sein scheint. Vielleicht lassen sich solche Begriffe nur dann produktiv anwenden, wenn ihnen angemessener Reibungswiderstand entgegengesetzt wird. Sie verlangen nach einer gesunden Portion Skepsis, und fordern es geradezu heraus, ihnen gegenüber den Sinn für das Diesseitige um so mehr zu stärken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Danke für das anregende Gespräch! Manchen Themen wird man am besten gerecht, indem man sich von zwei Seiten darauf zubewegt. Die Frage nach dem Mythischen in der Kunst ist ein gutes Beispiel dafür. Viele scheuen sich, die „ganz großen Begriffe“ wie Mythos, Spiritualität, Transzendenz, Metaphysik überhaupt ins Spiel zu bringen, weil sie von vornherein unter Pathosverdacht stehen. Dabei können sie sehr hilfreich sein, wenn man sie genau befragt und nicht als Imponiersignale einsetzt.<br />
Trotzdem bleibt es riskant, mit diesen Begriffen zu arbeiten. Wenn sie freie Bahn kriegen, entfalten sie eine Sogwirkung: Sie heben den Gegenstand, auf den sie angewandt werden, auf eine Ebene, auf der er allen konkreten Fragen, Beobachtungen und Einwänden entzogen zu sein scheint. Vielleicht lassen sich solche Begriffe nur dann produktiv anwenden, wenn ihnen angemessener Reibungswiderstand entgegengesetzt wird. Sie verlangen nach einer gesunden Portion Skepsis, und fordern es geradezu heraus, ihnen gegenüber den Sinn für das Diesseitige um so mehr zu stärken.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
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