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	<title>Sandro Abbate &#8211; tell</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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	<title>Sandro Abbate &#8211; tell</title>
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		<title>Fremd in der Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sandro Abbate]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2017 10:55:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüretipps]]></category>
		<category><![CDATA[Rubriken]]></category>
		<category><![CDATA[Innerer Monolog]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum begehen Menschen Suizid? Aus Verzweiflung? Oder Depressionen? Oft ist es schwierig, eine Antwort zu finden. Doch in "Selbstmord" zeigt Édouard Levé, dass die größte Herausforderung des Selbstmörders an seine Mitmenschen gerade in seiner Normalität besteht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="su-note"  style="border-color:#e0e0e0;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;"><div class="su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim" style="background-color:#fafafa;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;">In unseren Lektüretipps weisen wir auf Bücher hin, die uns begeistert, erschüttert, erheitert haben: Klassiker, Entdeckungen, Kuriositäten.</div></div>
<p><a href="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="6206" data-permalink="https://tell-review.de/fremd-in-der-welt/leve_selbstmord/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg?fit=648%2C1074&amp;ssl=1" data-orig-size="648,1074" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Levé_Selbstmord" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg?fit=621%2C1030&amp;ssl=1" class="size-medium wp-image-6206 aligncenter" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord-181x300.jpg?resize=181%2C300" alt="" width="181" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg?resize=181%2C300&amp;ssl=1 181w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg?resize=621%2C1030&amp;ssl=1 621w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg?resize=300%2C497&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/12/Lev%C3%A9_Selbstmord.jpg?w=648&amp;ssl=1 648w" sizes="(max-width: 181px) 100vw, 181px" /></a></p>
<blockquote><p>Wenn jemand mir von einem Selbstmord berichtet, denke ich an dich. Doch wenn mir jemand erzählt, dass einer an Krebs gestorben ist, denke ich nicht an meinen Großvater oder meine Großmutter, die auch daran gestorben sind. Sie teilen diesen Tod mit Millionen von Anderen. Du bist der Eigentümer des Selbstmords.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">É</span>douard Levés Roman <em>Selbstmord</em> beginnt mit einem Paukenschlag, wenn man so will. Oder vielmehr einem Schlag in die Magengrube des Lesers. An einem Samstag im August verlässt der Freund des Erzählers mit seiner Frau das Haus zum Tennisspielen. Unter dem Vorwand, er habe seinen Schläger vergessen, begibt er sich zurück ins Haus, geht in den Keller und erschießt sich.</p>
<p>Das Buch ist ein innerer Monolog, in dem der Erzähler den toten Freund direkt anspricht und dabei dessen Leben ausleuchtet, seine Gedankengänge und Eigenheiten beschreibt, um Antworten zu finden, die es nicht gibt.</p>
<blockquote><p>Dein Leben war eine Vermutung. Diejenigen, die alt sterben, sind ein Brocken Vergangenheit. Man denkt an sie und sieht, was sie waren. Man denkt an dich und sieht, was du hättest sein können.</p></blockquote>
<p>In Levés Roman zeigt sich eine Normalität, die im Grunde jeder kennt. Der Selbstmörder ist kein Freak. Im Gegenteil – in seinen Macken, Eigenheiten, Angewohnheiten finden wir uns selbst wieder. Er ist unter den Menschen nicht heimisch geworden.</p>
<blockquote><p>Du hast dich nicht darüber gewundert, dich als weltfremd zu empfinden, sondern über die Tatsache gestaunt, dass die Welt ein Wesen hervorgebracht hatte, welches in ihr wie in der Fremde lebte.</p></blockquote>
<p>Und eben diese Normalität – die Tatsache, dass man sich vielleicht selbst im Protagonisten wiedererkennt, ist es, was beunruhigt und dieses Buch so lesenswert macht. Umso mehr, als der Autor selbst nach der Fertigstellung des Romans den Weg in den Tod gewählt hat. So wirkt das Buch wie ein Abschiedsbrief, wie der Versuch, das Unerklärliche zu erklären.</p>
<h6 style="text-align: right;"></h6>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Beitragsbild: Édouard Manet &#8211; Le Suicidé</em><br />
<em> via <a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dc/Edouard_Manet_-_Le_Suicidé.jpg" target="_blank">Wikimedia Commons</a></em><br />
<em> Cover &#8222;Selbstmord&#8220;: <a href="http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/selbstmord.html?cover=1" target="_blank">Matthes &amp; Seitz Verlag</a></em></h6>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
Édouard Levé<br />
<strong>Selbstmord</strong><br />
Roman<br />
Aus dem Französischen von Claudia Hamm<br />
Matthes &amp; Seitz Verlag 2012 · 112 Seiten · 17,90 Euro<br />
ISBN: 978-3-88221-591-5<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3882215917/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783882215915" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" class="uwlveizelgcfyirfuqfk" style="display: none !important;" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --></div></div>
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		<title>Bevor der Zaunkönig zu singen beginnt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sandro Abbate]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Sep 2016 09:40:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Mutter sitzt am Bett ihres soeben verstorbenen Sohnes und beginnt zu erzählen. Dabei offenbart sie nicht nur eigene Traumata, sondern die einer ganzen Generation. Eine Rezension von Hans-Ulrich Treichels Erzählung <em>Tagesanbruch</em>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wenn ich jetzt nicht alles aufschreibe, werde ich es wohl nie mehr tun. Wenn die Wohnung leer ist … kann ich alles nur noch mir selbst erzählen. Allein der Gedanke daran macht mir Angst. Vor meinem toten Sohn fürchte ich mich, ich gebe es zu, aber vor mir selbst habe ich regelrecht Angst. Vor dem, was ich zu sagen habe. Was ich mir zu sagen habe. Dabei ist es schnell erzählt.</p></blockquote>
<p><span class="dropcap">D</span>as Ende der Nacht steht bevor. Eine Mutter hält ihren erwachsenen Sohn im Arm und erzählt ihm, was sie nie erzählen konnte. Jetzt endlich kann sie es. Ihr Sohn ist tot, in der Nacht einem Krebsleiden erlegen. In ihrem Monolog – von einem Dialog kann mit einem Leichnam kaum die Rede sein – erzählt sie ihm von ihren ersten Ehejahren, von seinem Vater, der im Krieg den rechten Arm verloren hatte, vom Geschäft, das die beiden nach dem Krieg im Grenzland von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen aufbauten und von der Arbeit, von den Abenden und Wochenenden, die sie über der Buchhaltung verbrachte. Die Frau möchte ihrem toten Sohn alles erzählen, bevor der Tag anbricht und sie den Arzt anrufen wird.</p>
<p>Der Leser ahnt ein Geheimnis, das überdeckt wurde mit dem Schein der normalen Familie, mit ehrlicher Arbeit und aufkommendem Wohlstand. Die Mutter spricht über die Vertreibung, ihre Flucht aus Polen nach Kriegsende. Aber da ist noch mehr – etwas, das nicht nur das Verhältnis der Eheleute zueinander, sondern auch die Beziehung zu ihrem Sohn beschädigt hat. Die Mutter erzählt von den russischen Soldaten, von der Demütigung, der Scham – und einem Zweifel, der während Jahrzehnten an ihr genagt hat.</p>
<blockquote><p>Jede Mutter liebt ihr Kind. Auch ich habe meines geliebt und ihm womöglich doch Unrecht getan, weil ich mir nie ganz sicher war, wer es letztendlich gezeugt hatte.</p></blockquote>
<p>Nicht einmal neunzig Seiten benötigt Hans-Ulrich Treichel, um diese tragische Geschichte zu erzählen. Die erzählte Zeit ist gleich der Erzählzeit, lesend wohnt man diesen letzten Stunden einer Mutter mit ihrem Kind bei. In stark verdichteter Form erfährt man viel über ihr Leben und ihre Beziehung zu ihrem Sohn. Sie hätte ihn gerne als Pianisten gesehen, als Familienvater und Kirchgänger und konnte seine Interessen und seinen Beruf nie richtig verstehen.</p>
<blockquote><p>Aber aus dir ist ja trotzdem etwas geworden. Beruflich gesehen. Akademischer Rat. Was auch immer das genau ist.</p></blockquote>
<p>Dazu braucht es keine komplizierten Erzähltechniken, wenige Worte reichen, in knapper, einfacher Sprache. Das Buch evoziert eine Ära des Schweigens: Wir erleben mit, wie sich die Menschen im Nachkriegsdeutschland mit Arbeit und dem sich allmählich einstellenden wirtschaftlichen Erfolg von der Aufarbeitung ihrer Traumata ablenken. In genauen Bildern zeigt Treichel die Werte, die damals wichtig waren: Das Klavier im Wohnzimmer der Familie, das nie wirklich gespielt, aber regelmäßig gestimmt und noch regelmäßiger geputzt wurde, verkörpert den aufkommenden Wohlstand, den man gerne herzeigte.</p>
<p>Treichels Erzählung, konzentriert in Raum und Zeit, steht für die Geschichte einer ganzen Generation. Die massenhaften Vergewaltigungen durch Soldaten der Roten Armee zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren lange Zeit ein Tabuthema in Deutschland. Rund zwei Millionen Opfer soll es Schätzungen zufolge gegeben haben. Selbst im engsten Familienkreis wurde nicht darüber gesprochen. Zum Schmerz und der Scham kamen Ängste, oft auch Schuldgefühle. Nicht nur die Täter und Mitläufer schwiegen nach dem Krieg, sondern auch die Opfer, die mit ihrem Leid allein gelassen wurden.</p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
Hans Ulrich-Treichel<br />
<strong>Tagesanbruch</strong><br />
Erzählung<br />
Suhrkamp Verlag 2016 • 86 Seiten • 17,95 Euro<br />
ISBN: 978-3-518-42525-1<br />
Bei <a title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" href="http://www.amazon.de/dp/3518425250/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><a href="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=9783518425251" target="_blank">buecher.de</a><img decoding="async" class="bkoxvhgekspcggekvzyw" src="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&amp;ref=776227&amp;b=0&amp;type=text&amp;tnb=14" width="1" height="1" border="0" /><!-- END PARTNER PROGRAM --></div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="4194" data-permalink="https://tell-review.de/bevor-der-zaunkoenig-zu-singen-beginnt/treichel_tagesanbruch/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Treichel_Tagesanbruch.jpg?fit=200%2C332&amp;ssl=1" data-orig-size="200,332" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Treichel_Tagesanbruch" data-image-description="&lt;p&gt;http://www.suhrkamp.de/buecher/tagesanbruch-hans-ulrich_treichel_42525.html&lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Treichel_Tagesanbruch.jpg?fit=200%2C332&amp;ssl=1" class="aligncenter size-medium wp-image-4194" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Treichel_Tagesanbruch-181x300.jpg?resize=181%2C300" alt="Treichel_Tagesanbruch" width="181" height="300" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Treichel_Tagesanbruch.jpg?resize=181%2C300&amp;ssl=1 181w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Treichel_Tagesanbruch.jpg?resize=48%2C80&amp;ssl=1 48w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/09/Treichel_Tagesanbruch.jpg?w=200&amp;ssl=1 200w" sizes="auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px" /></div></div></div>
</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bildnachweis:</em><br />
<em> Buchcover: <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/tagesanbruch-hans-ulrich_treichel_42525.html" target="_blank">Suhrkamp Verlag</a></em><br />
<em> Beitragsbild: Alvar Cawén: Pieta [gemeinfrei], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAlvar_Cawen_Pieta.jpg">via Wikimedia Commons</a></em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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		<title>Die Geschichte Kolumbiens – erzählt von einer Finca</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sandro Abbate]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Mar 2016 08:45:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Belletristik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Héctor Abad]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumbien]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach dem Tod der Mutter treffen sich die drei Geschwister in der Finca, die sich seit Generationen im Familienbesitz befindet. Sie schwelgen in Erinnerungen: In ihren Ich-Erzählungen lesen wir die Geschichte Kolumbiens. Eine Rezension von Héctor Abads Roman "La Oculta".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="dropcap">L</span>a Oculta, die Verborgene – so heißt die Finca der Familie Ángel, verborgen, weil sie sich inmitten der kolumbianischen Berge befindet, abgeschirmt durch Wälder, erst seit kurzem mit dem Auto erreichbar. Hier treffen sich seit Jahrzehnten die Geschwister Pilar, Eva und Antonio mit ihrer Mutter Ana, um Familienfeste zu feiern.</p>
<blockquote><p>Früh an einem düsteren Wintermorgen klingelte bei mir in New York das Telefon. So früh rufen bloß Betrunkene an, die sich verwählt haben, oder jemand aus der Familie, mit einer schlechten Nachricht.</p></blockquote>
<p>Antonios Vorahnung wird bestätigt. Seine Mutter, von ihm liebevoll Anita genannt, ist mit fast neunzig Jahren gestorben, auf der Finca in den kolumbianischen Bergen, die seit Generationen im Besitz der Familie ist. Der aus Spanien eingewanderte, wohl aus einer jüdischen Familie stammende Urahn hatte sich im kolumbianischen Unabhängigkeitskrieg anfangs des 19. Jahrhunderts auf die Seite der Freiheitskämpfer geschlagen, diese mit zahlreichen Waren beliefert und als Gegenleistung ein unwirtliches Stück Land erhalten.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="1792" data-permalink="https://tell-review.de/die-geschichte-kolumbiens-erzaehlt-von-einer-finca/haus-im-wald-kolumbien/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?fit=1280%2C960&amp;ssl=1" data-orig-size="1280,960" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Haus im Wald Kolumbien" data-image-description="&lt;p&gt;Pixabay&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Finca in Kolumbien&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?fit=900%2C675&amp;ssl=1" class="aligncenter wp-image-1792" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien-300x225.jpg?resize=507%2C380" alt="Finca in Kolumbien" width="507" height="380" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?resize=80%2C60&amp;ssl=1 80w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?resize=1030%2C773&amp;ssl=1 1030w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?resize=1200%2C900&amp;ssl=1 1200w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Haus-im-Wald-Kolumbien.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="auto, (max-width: 507px) 100vw, 507px" /></p>
<p>Nun müssen die Geschwister entscheiden, was mit La Oculta geschehen soll. Jeder der drei hat eine andere Beziehung zum Familienanwesen. In Rückblenden erzählen sie aus wechselnder Perspektive Ereignisse, die sich zu einem Gesamtbild zusammensetzen und tiefe Einblicke in die Geschichte Kolumbiens eröffnen.</p>
<blockquote><p>Meinen Schwestern ist das alles egal, aber mir war es wichtig zu wissen, wie La Oculta einst entstanden ist.</p></blockquote>
<p>Antonio hat viel Zeit in die Rekonstruktion der Geschichte der Familie und des Anwesens gesteckt. Es ist eine Geschichte von Gründergeist und Aufbruchsstimmung, aber auch von Gewalt. Eva schildert die Bedrohungen, Anschläge und Gewalttaten etwa der rechten Paramilitärs, deren Opfer sie selbst einmal fast geworden war. Eines Nachts wurde sie auf La Oculta überfallen, sie entkam nur knapp, indem sie durch den See auf dem Familienanwesen tauchte.</p>
<blockquote><p>Ein Lichtstrahl glitt über meine Schulter, woraufhin ich sofort wieder untertauchte. Im selben Augenblick war ein Schuss zu hören. Um meine Verfolger zu verwirren, wandte ich mich nach links. Ich musste mich beeilen, durfte keine Sekunde verlieren.</p></blockquote>
<p>Man spürt in Abads Roman <em>La Oculta</em> den Einfluss William Faulkners, insbesondere dessen legendäres Werk <em>Schall und Wahn</em>, in dem die Geschichte der Familie Compson von vier Geschwistern erzählt wird, in ineinander verschlungenen Rückblenden, was wiederum die Beziehungen der Geschwister untereinander sichtbar werden lässt. Ebenso verhält es sich in Héctor Abads Roman. Die Handlung gibt nur den Ausschlag für eine viel größere Erzählung – die Geschichte der Familie Ángel und des Landes. Der Leser lernt die Akteure kennen und bekommt ein Gefühl von ihren Eigenheiten, ihrer Werte, ihrer Sicht auf die Dinge. Im Gegensatz zu Faulkner verleiht Abad den drei Stimmen allerdings zu wenig Persönlichkeit, zu wenig eigene Sprache, daher mangelt es den Figuren an Authentizität.</p>
<p>Doch der  wahre  Protagonist des Romans ist ohnehin keines der drei Geschwister, sondern La Oculta selbst. Die Finca ist ein Sinnbild für das gesamte Land Kolumbien. <span class="pull-right">Die drei Ich-Erzähler nehmen uns in eine Geschichte mit, die immer tiefer wird. </span>An ihr wird die Geschichte des Landes von der Einwanderung der Spanier über den Unabhängigkeitskrieg und die immer wieder aufflammenden bewaffneten Konflikte erzählt, bis in die Gegenwart der Drogenbarone, Guerilleros und Paramilitärs. Kolumbien gilt weltweit als das Land mit den meisten Binnenvertriebenen: Über fünf Millionen Menschen sind vor Gewalt und Verfolgung geflohen; ihre Zahl nimmt jedes Jahr um etwa 200.000 zu.</p>
<p>Auch der Autor Héctor Abad zählt zu den Geflohenen. Nach seinem Studium in Italien kehrte er 1987 nach Kolumbien zurück;  als jedoch sein Vater ermordet wurde, ein bekannter Arzt und Menschenrechtler, sah sich Abad noch im gleichen Jahr gezwungen, das Land wieder zu verlassen. Seit 1992 lebt er wieder in Kolumbien, als Romancier und Journalist.</p>
<div id="attachment_1793" style="width: 209px" class="wp-caption alignleft"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1793" data-attachment-id="1793" data-permalink="https://tell-review.de/die-geschichte-kolumbiens-erzaehlt-von-einer-finca/hector-abad/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Hector-Abad.jpg?fit=2840%2C4272&amp;ssl=1" data-orig-size="2840,4272" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 450D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1282588385&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;55&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.008&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="Hector Abad" data-image-description="&lt;p&gt;Hector Abad&lt;br /&gt;
by Daniela Abad Lombana, 23. August 2010&lt;br /&gt;
Quelle: Wikimedia, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hector_Abad.jpg&lt;br /&gt;
License CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en&lt;/p&gt;
" data-image-caption="&lt;p&gt;Héctor Abad&lt;/p&gt;
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<p><em>La Oculta</em> ist der dritte Roman von Héctor Abad, der auf Deutsch erschienen ist, ein vielschichtiges und bewegendes Buch, das den Leser so schnell nicht los lässt. Antonio erforscht die Familiengeschichte zurück bis zu den ersten Ahnen auf dem Kontinent, vielleicht weil ihn sein schlechtes Gewissen darüber plagt, dass er der Familie keinen Nachkommen schenkt. Eva verkörpert das moderne Kolumbien, während Pilar in alten Traditionen und einem tiefen Katholizismus verwurzelt ist. Mit jedem Kapitel, jedem Wechsel der Perspektive wird man stärker in die Handlung hineingesogen: Die drei Ich-Erzähler nehmen uns in eine Geschichte mit, die immer tiefer wird.</p>
<p><em>Im Mai und Juni 2016 ist der Autor auf Lesereise in Deutschland und der Schweiz unterwegs.</em></p>
<div class="su-box su-box-style-default" id="" style="border-color:#83a300;border-radius:3px;max-width:none"><div class="su-box-title" style="background-color:#b6d600;color:#FFFFFF;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px">Angaben zum Buch</div><div class="su-box-content su-u-clearfix su-u-trim" style="border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px">
Héctor Abad<br />
<div class="su-row"><div class="su-column su-column-size-2-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim">
<strong>La Oculta</strong><br />
Roman.<br />
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen<br />
Berenberg Verlag 2016 · 352 Seiten · 25,00 Euro<br />
ISBN-13: 978-3946334002<br />
Bei <a href="http://www.amazon.de/dp/3946334008/ref=nosim?tag=wwwtellreview-21" title="Mit Ihrer Bestellung bei Amazon unterstützen Sie tell. Wir danken Ihnen!" target="_blank" rel="nofollow">Amazon</a> oder <!-- BEGIN PARTNER PROGRAM - DO NOT CHANGE THE PARAMETERS OF THE HYPERLINK --><A HREF="http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=776227&#038;site=3780&#038;type=text&#038;tnb=14&#038;prd=yes&#038;suchwert=9783946334002" TARGET="_blank">buecher.de</a><IMG SRC="http://banners.webmasterplan.com/view.asp?site=3780&#038;ref=776227&#038;b=0&#038;type=text&#038;tnb=14" BORDER="0" WIDTH="1" HEIGHT="1"><!-- END PARTNER PROGRAM --></div></div>
<div class="su-column su-column-size-1-3"><div class="su-column-inner su-u-clearfix su-u-trim"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="1831" data-permalink="https://tell-review.de/die-geschichte-kolumbiens-erzaehlt-von-einer-finca/buchcover-la-oculta/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Buchcover-La-Oculta.jpg?fit=179%2C266&amp;ssl=1" data-orig-size="179,266" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Buchcover La Oculta" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Buchcover-La-Oculta.jpg?fit=179%2C266&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Buchcover-La-Oculta.jpg?resize=179%2C266" alt="Buchcover La Oculta" width="179" height="266" class="aligncenter size-full wp-image-1831" srcset="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Buchcover-La-Oculta.jpg?w=179&amp;ssl=1 179w, https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2016/03/Buchcover-La-Oculta.jpg?resize=54%2C80&amp;ssl=1 54w" sizes="auto, (max-width: 179px) 100vw, 179px" /></div></div></div>
</div></div>
<h6 style="text-align: right;"><em>Bilder:</em><br />
<em><a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hector_Abad.jpg" target="_blank">Hector Abad, </a>by Daniela Abad Lombana, 23. August 2010, Quelle: Wikimedia. License <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank">CC BY-SA 3.0</a></em><br />
<em><a href="https://pixabay.com/en/colombia-house-countryside-293573/" target="_blank">Finca in Kolumbien</a>, Quelle: Pixabay. License: CC0 Public Domain</em></h6>
<hr />
<p><a href="https://steadyhq.com/tell-review?utm_source=publication&#038;;utm_medium=banner"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="aligncenter" style="height: 120px;" src="https://i0.wp.com/steady.imgix.net/gfx/banners/unterstuetzen_sie_uns_auf_steady.png?w=900&#038;ssl=1" alt="Unterstützen Sie uns auf Steady" /></a></p>
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