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	<title>Florian Knoeppler &#8211; tell</title>
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		<title>Der Nazi an der Wand</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Florian Knoeppler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2021 09:43:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgenossenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Was tun, wenn sich der Maler des Bilds an der Wand als Nationalsozialist entpuppt: Hängenlassen oder abhängen? Eine Selbsterforschung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Gleich unterhalb von Friedrich Hebbel hängt er, der Nazi, bei mir im Arbeitszimmer an der Wand. Oben die hübsch verzierte Abschrift des Gedichts „Sommerbild“, die mir meine 16-jährige Tochter zum Geburtstag geschenkt hat, darunter die Radierung „Das Haus am Deich“ von Otto Thämer.</p>



<p>„Oh. Erstaunlich schön“, dachte ich, als ich das Bild in einem Stapel alter Holzrahmen entdeckte, den ich ein paar Jahre zuvor in einem Trödelladen gekauft hatte. Die anderen Rahmen waren mit Kätzchen und Blümchen bestückt. Ja, ich finde es schön, dieses Bild, genauer gesagt interessant, auch jetzt noch. Eigentlich für meinen Geschmack zu volkstümlich, aber auch kraftvoll und mit einem Himmel, wie er mir gefällt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="900" height="689" data-attachment-id="100196" data-permalink="https://tell-review.de/der-nazi-an-der-wand/bild-otto-thaemer/" data-orig-file="https://i0.wp.com/tell-review.de/wp-content/uploads/2021/01/Bild-Otto-Thaemer-scaled.jpg?fit=2560%2C1960&amp;ssl=1" data-orig-size="2560,1960" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;2.2&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 6s&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1609771722&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.15&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;40&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.03030303030303&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="" data-image-description="&lt;p&gt;Otto Thämer: Das Haus am Deich, an der Wand bei Florian Knöppler&lt;/p&gt;
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<h2 class="wp-block-heading">Verherrlichung des ‚arischen Menschen‘</h2>



<p>Leider weiß ich inzwischen, wer Otto Thämer (1892-1975) war. Nicht nur der Grafiker und Maler aus Hamburg, der schon lange vor dem Dritten Reich erfolgreich war und auch in der Bundesrepublik als Künstler geachtet wurde. Sondern eben auch der Nationalsozialist, der Propagandaschriften illustrierte und Fresken malte, bei denen einem schlecht wird, so selbstgewiss verherrlichen sie den ‚arischen Menschen‘. Will man Werke eines solchen Mannes an der Wand hängen haben? Sollten sie heute noch in Kiel und anderswo ausgestellt werden? Und wenn ja, sollte man sie mit entsprechenden Vermerken versehen?</p>



<p>Man macht es sich zu einfach, wenn man behauptet, Kunstwerke stünden ganz für sich selbst und müssten nur nach ihrer Ästhetik beurteilt werden. Niemand würde guten Gedichten oder Bildern von Adolf Hitler ein Forum bieten wollen, wenn es sie denn gäbe. Andererseits fällt es schwer, das Verhalten der Menschen im Dritten Reich mit allzu großer Eindeutigkeit und Klarheit zu beurteilen, zumindest, solange sie niemanden denunziert, angegriffen oder gedemütigt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Frage der Verführbarkeit</h2>



<p>Was also darf man von einem Menschen wie Otto Thämer erwarten, wenn eine Diktatur entsteht, in der seine Werke geschätzt werden? Sophie Scholl hätte darauf sicher eine klare Antwort, vielleicht auch der Vater von Joachim Fest, der zwar kein Widerständler war, aber standhaft sagte: „Ich nicht“, egal wie sehr er und seine Familie deshalb zu leiden hatten.</p>



<p>Eine solche Haltung ist bewundernswert. Kann sie als moralischer Maßstab gelten, den man an alle Menschen anlegen darf? Hätte ich mich damals dem Sog entziehen können, ohne das Wissen von heute, ohne die Erziehung meiner Eltern? Je nach persönlicher Anlage, Elternhaus und Bildung waren die Menschen verschieden leicht verführbar, als Männer an die Macht kamen, die einfache Lösungen boten und Gefühle von Aufbruch und Energie erzeugten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kunst und Ideologie</h2>



<p>Es ist mir bisher nicht gelungen herauszufinden, wie Otto Thämer im Innersten zum Nationalsozialismus stand. Die Informationen im Internet beschränken sich auf Fakten und Jahreszahlen. Sogar seine Teilnahme an der nationalsozialistischen „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München scheint niemandem ein paar zusätzliche Worte wert zu sein. Er sei eben ein Künstler dieser Zeit gewesen, heißt es lapidar. Als wäre damit alles erklärt und entschuldigt.</p>



<p>Otto Thämers Kunst passte hervorragend zur Ideologie der Zeit, das ist wahr. Mit einer Avantgarde à la Klee oder Kandinsky konnte er offenbar wenig anfangen, und man muss davon ausgehen, dass er mit seinen Propagandawerken Hitlers Schreckensherrschaft bewusst unterstützte. Eigentlich reicht das, um die Radierung an meiner Wand abzuhängen.</p>



<p>Vorerst lasse ich das Bild trotzdem hängen, jedenfalls, bis ich zu seinem Urheber mehr weiß. Die Gründe dafür sind vielleicht viel einfacher, als ich wahrhaben will. Vielleicht möchte ich das Bild nur weiter an meiner Wand hängen haben, weil es mir gefällt, und es kommt mir entgegen, dass ich Otto Thämer mit dem Argument der Verführbarkeit entlasten kann. Dazu würde passen, dass ich bisher nicht viel Aufwand betrieben habe, weitere Details herauszufinden. Ein halbherziger Anruf bei der Kunsthalle in Kiel war alles.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Fähigkeit zum Widerstand</h2>



<p>Aber noch einmal zurück zur entscheidenden Frage: Was hätte man von einem Mann wie Thämer erwarten können? Er besaß genug Bildung, um sich in seinen Gedanken und Gefühlen eine Unabhängigkeit zu bewahren. Er hätte erkennen können, was der Nationalsozialismus war und wohin er führen konnte. Er wäre wohl kaum mit einem Berufsverbot belegt worden, wenn er sich der Propaganda verweigert hätte, seine Werke standen nicht im Widerspruch zur nationalsozialistischen Auffassung von Kunst. Auf öffentliche Anerkennung hätte er verzichten müssen, aber er hätte wohl genug private Käufer für seine Bilder gefunden.</p>



<p>Dennoch bin ich überzeugt, dass es damals sehr schwer war, „Ich nicht“ zu rufen. Mir hätte wohl mein Harmoniebedürfnis im Weg gestanden. Es wäre für mich kaum zu ertragen gewesen, über Jahre mit meinen Meinungen allein dazustehen, in einem beständigen Gegensatz zu fast der gesamten Gesellschaft und ohne Aussicht auf eine Besserung der Verhältnisse. </p>



<p>Werde ich herausbekommen, ob so etwas Ähnliches auch auf Otto Thämer zutrifft?</p>
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