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	Kommentare zu: Auf eigene Gefahr – Autoren-Selfies (1)	</title>
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	<description>Magazin für Literatur und Zeitgenossenschaft</description>
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		Von: write2gether (@write2gether)		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[write2gether (@write2gether)]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2016 14:28:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Schriftsteller halten generell gerne Besucher aus ihren Behausungen heraus. Wenn ich mich recht erinnere, kommen bei Handke selbst Freunde kaum über die Schwelle, sonstige Gäste gar nicht (sollen doch bitte in den Garten pinkeln). In der FAZ gab es einen Bericht über einen Besuch bei DEM König der Zurückgezogenheit, Botho Strauss, der eine panische Angst davor zu haben scheint, angeblickt zu werden. Dieser Besuch wurde auch (so ich mich nicht falsch erinnere) im Wesentlichen nach draußen verlegt, die Fotos zeigten ihn in der Natur, nicht am Schreibtisch, geschweige denn beim Schreiben. Von daher vermute ich, dass die Topoi Feld und Wald einfach auf die geheimen Fluchtwünsche zurückgehen, die einen Autor befallen, wenn Kameras anrücken. Nachvollziehbar, finde ich, wenn man nicht wie Grass das Hofhalten gelernt hat. Bloß raus, bloß keine Bilder von Küche, Schreibplatz, Bett oder Klo. Von einer älteren Schriftstellerin mal gelesen (Name tut ja nichts zur Sache), sie würde sich wünschen, das Geld zu haben, auch mal Freunde bei sich bewirten zu können, aber das wäre kaum möglich. 
Die Diskrepanz zwischen erhabenem Tun und der dürftig-normalen Existenz hatte Spitzweg gemalt. Vermutlich geht es bei dem Schutz des buchstäblich Inneren vor der unbestechlich genauen Kamera aber um noch mehr. Wer sieht sich schon gerne selbst im Film?! So wie die meisten Menschen von der Wiedergabe ihrer eigenen Stimme unangenehm berührt oder erschreckt sind. Der Wald ist ein Angebot für eine Ersatzintimität (niemand guckt zu, wie die Peinlichkeit der Filmaufnahme durchgeführt wird). Zudem gibt es Weite,also Raum genug, um klein zu werden. Statt Close-up in der engen Wohnung kann man da Ferneinstellungen machen. Am Ende müssen die Autoren sowieso ihre Wünsche, aus dem Bild zu verschwinden, noch mit dem Verlag aushandeln, der eventuell bei dem einen oder der anderen Regie führt. &quot;Natürlich ist die schwerste Pose&quot;, sagt man auf dem Theater. 
Das Thema Künstlerporträt ist ziemlich interessant und wohl mehr als eine Glosse wert. Die schlüssige Haltung eines Autors ist ja tatsächlich die von Strauss - lest, wenn ihr könnt, meine Bücher, ansonsten ist völlig egal, wer ich bin, wie ich aussehe, wie schlabbrig ich angezogen bin. Erst in moderner Zeit - Mark Twain war der Vorreiter, dessen Photo auf einem Buchcover erschien und dann war das ja auch ein durchschlagener Erfolg - bemächtigt sich das Publikums seiner Autoren und verlangt, dass man sich vor ihm zeigt. Marketing ist Existenzpflicht. Das ist Pop-Kultur, wo der Clip ja das Verkaufsmedium schlechthin ist. Die Autoren werden zwar auch - augenscheinlich - immer performanter, oder müssen es der Umsätze wegen werden, sind da aber noch nicht angekommen, wo die Popkultur schon lange ist, sondern beziehen sich optisch und konzeptionell noch auf diese Kulturmagazine im TV. Mal sehen, wann die Ersten einen Wenders, Dominik Graf oder so fragen, ob sie nicht mal gerade schnell so&#039;n Clip mit ihnen drehen können ... &quot;so was Virales wäre gut&quot; ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schriftsteller halten generell gerne Besucher aus ihren Behausungen heraus. Wenn ich mich recht erinnere, kommen bei Handke selbst Freunde kaum über die Schwelle, sonstige Gäste gar nicht (sollen doch bitte in den Garten pinkeln). In der FAZ gab es einen Bericht über einen Besuch bei DEM König der Zurückgezogenheit, Botho Strauss, der eine panische Angst davor zu haben scheint, angeblickt zu werden. Dieser Besuch wurde auch (so ich mich nicht falsch erinnere) im Wesentlichen nach draußen verlegt, die Fotos zeigten ihn in der Natur, nicht am Schreibtisch, geschweige denn beim Schreiben. Von daher vermute ich, dass die Topoi Feld und Wald einfach auf die geheimen Fluchtwünsche zurückgehen, die einen Autor befallen, wenn Kameras anrücken. Nachvollziehbar, finde ich, wenn man nicht wie Grass das Hofhalten gelernt hat. Bloß raus, bloß keine Bilder von Küche, Schreibplatz, Bett oder Klo. Von einer älteren Schriftstellerin mal gelesen (Name tut ja nichts zur Sache), sie würde sich wünschen, das Geld zu haben, auch mal Freunde bei sich bewirten zu können, aber das wäre kaum möglich.<br />
Die Diskrepanz zwischen erhabenem Tun und der dürftig-normalen Existenz hatte Spitzweg gemalt. Vermutlich geht es bei dem Schutz des buchstäblich Inneren vor der unbestechlich genauen Kamera aber um noch mehr. Wer sieht sich schon gerne selbst im Film?! So wie die meisten Menschen von der Wiedergabe ihrer eigenen Stimme unangenehm berührt oder erschreckt sind. Der Wald ist ein Angebot für eine Ersatzintimität (niemand guckt zu, wie die Peinlichkeit der Filmaufnahme durchgeführt wird). Zudem gibt es Weite,also Raum genug, um klein zu werden. Statt Close-up in der engen Wohnung kann man da Ferneinstellungen machen. Am Ende müssen die Autoren sowieso ihre Wünsche, aus dem Bild zu verschwinden, noch mit dem Verlag aushandeln, der eventuell bei dem einen oder der anderen Regie führt. &#8222;Natürlich ist die schwerste Pose&#8220;, sagt man auf dem Theater.<br />
Das Thema Künstlerporträt ist ziemlich interessant und wohl mehr als eine Glosse wert. Die schlüssige Haltung eines Autors ist ja tatsächlich die von Strauss &#8211; lest, wenn ihr könnt, meine Bücher, ansonsten ist völlig egal, wer ich bin, wie ich aussehe, wie schlabbrig ich angezogen bin. Erst in moderner Zeit &#8211; Mark Twain war der Vorreiter, dessen Photo auf einem Buchcover erschien und dann war das ja auch ein durchschlagener Erfolg &#8211; bemächtigt sich das Publikums seiner Autoren und verlangt, dass man sich vor ihm zeigt. Marketing ist Existenzpflicht. Das ist Pop-Kultur, wo der Clip ja das Verkaufsmedium schlechthin ist. Die Autoren werden zwar auch &#8211; augenscheinlich &#8211; immer performanter, oder müssen es der Umsätze wegen werden, sind da aber noch nicht angekommen, wo die Popkultur schon lange ist, sondern beziehen sich optisch und konzeptionell noch auf diese Kulturmagazine im TV. Mal sehen, wann die Ersten einen Wenders, Dominik Graf oder so fragen, ob sie nicht mal gerade schnell so&#8217;n Clip mit ihnen drehen können &#8230; &#8222;so was Virales wäre gut&#8220; &#8230;</p>
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