In zehn Kapiteln beschreiben Itai Yanai und Martin Lercher die genetischen Grundlagen des menschlichen Lebens: wie aus niedrigen Einzellern Menschen wurden, wie der Mensch sich aus Afrika über die ganze Welt verbreitet hat, wie die Sprache entstand und was der Sex zur Artverbesserung beiträgt. Um dies alles unter einen Hut zu bringen, bedienen sich die beiden Wissenschaftler einer Metapher aus den Siebzigerjahren: Richard Dawkins‘ Theorie vom „egoistischen Gen“. Sie denken diese Metapher weiter und erschaffen daraus eine Gesellschaft der Gene.

Gene sind über ein kompliziertes Geflecht aus Kooperation und Wettbewerb miteinander verbunden, deshalb verstehen wir unsere Gene am besten, wenn wir sie als Mitglieder einer Gesellschaft betrachten – das ist der Leitgedanke dieses Buches. Das Konzept des egoistischen Gens hat uns den Weg in die Biologie des dritten Jahrtausends geebnet.

Ihrem Werk stellen die Autoren ein berühmtes Zitat von Adam Smith voran:

It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker that we expect our dinner, but from their regard to their own interest.

Im Weiteren haben sie Charles Darwin in ihr Bild genetischer Abläufe eingebaut: Die Prämisse vom „survival of the fittest“ gelte auch für Gene. Das egoistische Gen sorgt ausschließlich für das eigene Überleben. Und doch hat dieser Egoismus den unbeabsichtigten Effekt, dass aus der Summenwirkung aller Gene das Überleben des Gesamtorganismus resultiert.

Der Stil des Buchs ist bildhaft und amüsant. Über „den Vorteil des Sexes (jenseits des Offensichtlichen)“ schreiben die Autoren:

Durch Sex können Allele  (die alternativen Formen eines Gens, Anm. d. Autors) gewissermaßen den amerikanischen Traum verwirklichen. Sex entkoppelt sie voneinander, sodass eine vielversprechende neue Mutation auch dann Erfolg haben kann, wenn sie in einer miesen Gegend geboren wurde.

Den Geschlechterkampf sehen Yatai und Lercher offenbar als entschieden an: Sie vermuten, dass sich im Lauf der Genomentwicklung das männliche Y-Chromosom gänzlich zurückziehen wird, wie das bei der Stachelratte auf den japanischen Ryukyu-Inseln bereits der Fall ist. Der zukünftige Genotyp des Mannes wäre dann, wie bei der Stachelratte, X0. Dies allerdings wäre fatal, denn der Genotyp X0 ist phänotypisch eine infertile Frau, die am Turner-Syndrom leidet (im Fall eines Genmosaiks handelt es sich um das Ulrich-Turner-Syndrom). Möglicherweise ist den Autoren hier ein sachlicher Irrtum unterlaufen.

Aber das sind Kleinigkeiten des sonst sehr lesbaren Buches. Schwerer wiegt folgendes: Obwohl das Buch einen guten Überblick über den Stand der Forschung in der Genetik vermittelt, fehlt ihm die innere Logik. Ohne es zu merken, widerlegen die Autoren auf Schritt und Tritt ihre Theorie vom egoistischen Gen.

Nehmen wir das erste Kapitel zum Krebs. Kein Gen, keine Zelle ist so egoistisch wie die Krebszelle. Trotzdem kann die Krebszelle nicht für ihr Weiterleben sorgen. Ganz im Gegenteil, das mutierte, rein egoistische Gen geht unter mit seinem Wirt, den es tötet.

Auch die Entstehung des Lebens lässt sich mit dem Egoismus der Gene nicht vereinbaren: Die Einzeller, die am Anfang der Entwicklung der Säugetiere stehen, sind aus der Verschmelzung zweier Bakterienarten entstanden: den Archaebakterien und den Eubakterien, den Vorläufern unserer Mitochondrien. Diese Verschmelzung ursprünglicher Rivalen beschreiben Yatai und Lercher als „Kooperation“:

Man braucht eine spezielle Art der Zusammenarbeit, eine intime Beziehung mit dem früheren Rivalen. Die Entwicklung dieser Beziehung […] war der entscheidende Schritt in der Evolution der Eukaryoten – das Geheimnis ihres (und somit auch unseres) Erfolges.

Ganz im Stil ihrer Analogie von Gen und Gesellschaft verweisen sie auf Abraham Lincolns Strategie, seine ehemaligen Rivalen mit einzubinden. Dieses „team of rivals“ sei, so die Autoren, „Kern des Erfolgs“ – sowohl bei Lincoln als auch bei der Bakterien-Verschmelzung. Nur: Wo ist nun das egoistische Gen geblieben?

Das Konzept, biologische Vorgänge durch gesellschaftliche Metaphern zu erklären, ist ein Fehlschlag, ganz abgesehen von den historischen Abgründen: Auch beim „Volkskörper“, der von Geschwüren und Seuchen bedroht wurde, hat man seinerzeit Biologie und Gesellschaft miteinander verglichen. Freilich findet dieser Vergleich in eugenischen Ideologien umgekehrt statt: Nicht die Metapher verdeutlicht die naturwissenschaftliche Erkenntnis, sondern die naturwissenschaftliche Erkenntnis ist lediglich Metapher für die gesellschaftspolitischen Ideologie.

Von dieser Logik sind Yatai und Lercher allerdings himmelweit entfernt. Sie wollen dem Leser kein Gesellschaftsbild plausibel machen. Vielmehr argumentieren sie konsequent gegen Rassismus und verweisen beispielsweise darauf, dass sich die größten genetischen Ressourcen in Afrika befinden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gebe es in Afrika abgegrenzte Subpopulationen, in denen sich vorteilhafte Allele durchgesetzt hätten. Aus sozialen Gründen werde das bisher nur in einigen Sportarten manifest.

Aber wir würden darauf wetten, dass eines Tages die Kinder einer Population irgendwo in Afrika mit dem Schachspielen anfangen, und dass ein paar Generationen später eine Abfolge afrikanischer Großmeister die internationale Schachszene dominiert.

Warum zwingen Autoren, die so lebendig und klar schreiben können, ihre Argumentation unter eine soziobiologische Übermetapher, der sie dann selbst auf den Leim gehen? Um sich das Überleben auf dem Buchmarkt zu sichern? Das wäre nicht nötig gewesen.

Angaben zum Buch
Itai Yanai und Martin Lercher
Das geheime Leben im Menschen
Bastei Lübbe 2016 · 304 Seiten · 24,00 Euro
ISBN: 123-4-5678-91-0
Bei Amazon oder buecher.de
das-geheime-leben-im-menschen
Beitragsbild:
Weiblicher Chromosomensatz
CC

Von Herwig Finkeldey

5 Kommentare

  1. Ich möchte widersprechen, weil ich nicht glaube, dass das Konzept, biologische Vorgänge anhand gesellschaftlicher Metaphern zu beleuchten, auch wenn ich lediglich diese kurze Besprechung heranziehe, gescheitert ist. Denn ich befürchte – zumindest wenn ich selbige zugrunde lege – , dass einige Aspekte (wenn nicht der grundlegende, ich möchte sagen: axiomatische) der dawkins´schen Theorie vom „egoistischen Gen“ unterbelichtet bleibt. Machen wir uns nämlich klar, dass Konzepte wie „egoistisch“ oder „Wettbewerb“ ihrerseits bereits Metaphern sind, können wir erst absehen, wie weit uns diese Metapher trägt. Wie dürfen wir uns es also vorstellen, dass ein Gen (das eine bestimmte Eigenschaft (Phänotyp) codiert) „egoistisch“ ist? Nun, einfach dergestalt, dass es ihm „gelingt“, sich möglichst 1 : 1 zu dublizieren! Dies ist die Besonderheit und die Einzigartigkeit der Desoxyribonukleinsäure und die die Einzigartigkeit des Lebendigen ausmacht. Wir tragen (seit Neuerem) bekanntermaßen Gene von Urzeit-Viren bis heute in unserem Genom mit uns herum. Die Fähigkeit, von sich selbst Kopien anzulegen, entspricht – gesellschaftlich gesprochen – einem Ur- Konservativismus alles Natürlichen. Wie auch immer dieser Mechanismus entstanden ist (Voraussetzung hierfür ist offenbar die besondere Doppelhelix-Struktur der DNS), wir haben es seitdem mit potenzieller „Unsterblichkeit“ der betreffenden Information zu tun. Aus Sicht dieses „egoistischen“ Gens (der Originaltitel von R. Dawkins ist übrigens „The Selfisch Gen“) kamen ihm in seiner „Selbstfixierung“ gewissermaßen nun völlig zufällig entstandene Mechanismen „zur Hilfe“, wie etwa die Sexualität qua Redublizierung des gesamten Genoms (Chromosomen), Zellteilung bis hin zu höheren Organismen, Egoismus, wie wir ihn kennen, Altruismus u.s.w. Genug Zeit, damit es dazu kommen kann, ist ja bei jenen auf Ewigkeit angelegten Informationen sichergestellt.

    Wer es nun jedoch zu eilig hat, sich auf Deubel komm raus redublizieren will (Zellteilung), lässt dem Zufall keine Chance mehr und zerstört Am Ende sein Vehikel oder Wirtsorganismus (Krebs). Zuviel Selbstverliebtheit tötet.

    Sympathisch finde ich, dass die Autoren ihrem Plan nicht treu bleiben, und gerade nicht konsequent-durchgängig Gene als Mitglieder einer Gesellschaft betrachten, um deren Agieren zu verstehen. Ähnlich der Novelle „Flächenland“ – deren Protagonisten sämtlich zweidimensionale Objekte sind – , und welche Novelle zugleich eine Satire auf das Viktorianische England darstellt (worauf eine gewisse Martha Sheldon Cooper in „The Big Bang Theory“, Staffel 3, Folge 12, hinweist), benutzen sie Gene, um ein Kommentar zu gesellschaftlichen Diskursen zu liefern –oder indem sie, den Naturalistischen Fehlschluss ad absurdum führend, anhand dessen, wie die Gesellschaft sein sollte, die wahren Vorgänge innerhalb der Zelle erklären (Sex, Mitochondrien – solange deren Gene fröhlich von sich Kopien anlegen können, sind sie vollkommen zufrieden).

    Dieses Spiel kann man weitertreiben: So ist es durchaus fraglich, ob die Metapher des Wettbewerbs (oder der Gegnerschaft) auf Mitochondrien und die sie vor Urzeiten „gefressen“ habende Zelle anwendbar ist. Sie wurden möglicherweise einfach (zufällig?) einverleibt. Wenn aber ja, dann hängt es lediglich vom Zufall ab, ob es bei der Gegnerschaft bleibt oder es zur Kooperation kommt. Heute wissen wir, dass zwei durchaus unterschiedliche Gen-Sätze munter in unseren Zellen bei der Teilung Kopien von sich anlegen (wir sind symbiontische Wesen). Welch eine wunderbare Vorstellung, wir sind zwei Lebewesen in einem! Ob eine Art Zug- oder Standvogel ist, variiert – wie wir erst seit kurzem wissen – durchaus mit epigenetischer Aktivität: Ob wir uns binden oder frei sind – für beide Möglichkeiten gibt es ein Gen, das sich einfach über sehr lange Zeit treu geblieben ist.

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  2. Leber ziggev
    das entscheidende Argument ist die Rücksichtnahme auf den Gesamtorganismus, die jedes Gen haben muss. Und damit ist es eben nicht NUR egoistisch. Reiner Egoismus ohne Rücksicht auf den Organismus, dessen pars pro toto ein Gen ja ist, führt eben zum Untergang des Organismus. Oder metaphorisch auf die Gesellschaft übertragen zum Tod, zum Ende der Gesellschaft und somit zum Untergang aller die Gesellschaft bildenden Individuen. Damit kann der reine Egoismus kein tragfähiges Konzept für das Überleben sein – weder für das Gen (den Einzelnen) noch für den Organismus (die Gesellschaft).
    Smith „Egoismus“ meint ja nur den geschäftlichen Bereich. Hier gilt, dass der geschäftliche Egoismus alle ernährt. Wenn aber ein alleiniges Bedürfnis nach Leben alle anderen verdrängt, gibt es – geschäftlich gesprochen – irgendwann keine Abnehmer für die Brötchen mehr. Der Geschäftsmann muss also egoistisch und nicht egoistische zugleich sein, muss am Weiterleben, am Gedeihen der Gesellschaft interessiert sein, weil es sonst keine Käufer seiner Ware mehr gäbe – und auch er den Hungertod stürbe.
    Deswegen schlage ich eine andere, alternative Metapher vor: Nicht „egoistisches Gen“ sondern ambivalentes Gen müsste es heißen. Denn nicht einzig und allein Egoismus strukturiert das Zusammenspiel der Gene, sondern eine Melange aus Egoismus, Gleichgültigkeit, Nebeneinander und Symbiose sowie Solidarität – wenn man denn schon solche Begrifflichkeiten für die Darstellung naturwissenschaftlicher Phänomene benötigt.

    Zu den identischen Kopien seiner selbst: Dieses entspricht dem genetischen Konservativismus – aber so alleine ist keine Evolution denkbar. Die Gene, die Organismen sowie das Leben insgesamt müssen auch etwas neues ausprobieren und schauen, ob etwas Brauchbares bei der Erneuerung herum kommt. Abwehr und Konservativismus + Neugier auf Neues, so funktioniert die übrigens ungerichtete Evolution. Konservativismus alleine kann Evolution nicht erklären. Auch bei diesem Einwand gilt also: Das Konzept des ambivaleten Gens, konservativ und flexibel in einem, ist überzeugender als das rein konservative Gen.

    Nächster Punkt: Ist eine biologistische Metapher zur Darstellung gesellschaftlicher Zusammenhänge erlaubt? Ja, wenn daraus nichts abgeleitet wird. Das tun die Autoren auch nicht. Ein Beispiel einer solchen unerlaubten Ableitung wäre folgendes: So wie der Körper sich gegen äußere Feinde (Bakterien) und innere Fehlentwicklungen (Krebs) wehren muss, so muss sich der Volkskörper gegen äußere Eindringlinge (Slaven und Juden aus dem Osten) und innere Zersetzung (ebenfalls Juden) wehren. Du weißt, dass diese biologistische Metapher Grundlage eines Jahrtausenverbrechens war.

    Letzter Punkt: Ja, Dawkins sagt „selfish gene“. Aber die Autoren überstzen das in ihrem Buch selbst mit „egoistisch“. Folglich blieb mir nichts anderes, als genau darauf zu antworten. Denn mir ging es um Yatai und Lercher, nicht um Dawkins.

    Insgesamt könnte man beim Lesen Deines Kommentars denken, ich hätte ein Totalverriss des Buches verfasst. Aber nein nein. Ich empfehle das Buch sehr, es ist sehr anregend, sehr gut geschrieben. Nur dieser eine Teilaspekt, der Versuch, das etwas undurchdringliche Zusammenspiel der Gene in diese Gesamtmetapher zu zwängen, störte mich. Das Buch hätte das nicht nötig gehabt.

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  3. nunja, in Kritik etwa Smiths liberaler Theorie bin ich ja nicht so bewandert; ich habe auch nicht vor, das nachzuholen. Die drei Bände Marx, die alle berufenen mir voraushaben, mindestens, spare ich mir dann lieber. Mein Punkt war eher der, dass Dawkins´ Argument zu sein scheint, dass wir die Evolution dann am besten verstehen, wenn wir uns die betreffen Prozesse aus der Perspektive des Gens (nicht der Art) vorstellen.

    „Every behavior an organism displays that is not reducible to the benefit of its genetic material is, from the point of view of the gene, futile and even unnecessarily costly.“

    Link: „Evolutionary Epistemology“ in Internet Encyclopedia of Philosophy (iep), Punkt 7. „Evolution from the Point of View of Genes“

    Wie immer, wenn wir es mit Metapherntransfers zw. verschiedenen Disziplinen zu tun haben (das Genom „entschlüsseln“, bei bildgebenden Verfahren haben wir es sogar im wörtlichen Sinne mit Metaphern zu tun), müssen wir aufpassen, dass wir nicht anfangen, mehr meinen zu wollen, als der Zieldiskurs hergibt.

    Bei Smiths Egoismus der Einzelnen haben wir es jedoch immerhin mit Absichten und dergl. mehr zu tun – so dass die Rede vom „egoistischen Gen“, als Metapher, irreführend sein muss. Ich brauche Dir nicht zu erklären, dass wir erst recht beim Rücktransfer von der Biologie in Gesellschaftstheorien aufpassen müssen!

    Dennoch haben wir die bemerkenswerte Situation, dass dieses „selfish gen“, nicht etwa wie von einer Geisterhand gelenkt, wie bei Smith, ein stabiles System hervorbringt, dabei aber über evolutionäre Prozesse, bei deren Beschreibung dennoch aber der Gesamtorganismus (Phänotyp in Interaktion mit der Umwelt) mitberücksichtigt werden muss, eben solche stabile Systeme hervorbringt.

    Der Verweis auf das „selfish gen“ und die identische Selbst-Replikation bei Dawkins, dem wir in der Folge und in der Übersetzung das „egoistische Gen“ verdanken, schien mir aber deshalb notwendig, damit klar wird, wie wenig die Rede vom „egoistischen Gen“ zum Metapherntransfer tatsächlich taugt. Dieses Gen hat natürlich gar keine „egoistischen“ oder sonst wie gearteten Absichten.

    Es muss nur als als vervollständigendes Element zu den intuitiv begreiflicheren evolutionären Prozessen hinzugedacht werden, bei denen Organismen, Gruppen von Organismen, Selektion, Umwelt ebenso eine Rolle spielen. (Siehe Link oben.)

    Gerade deshalb, weil das Verhältnis vom Smith´schen egoistischen Einzelnen zur Gesellschaft sich dann, wenn wir uns die evolutionären Prozesse im dawkins´schen Sinne vor Augen halten, sich so fundamental unterscheidet vom Verhältnis des selfish gen zum Gesamtorganismus bzw. dem Gesamtprozess der Evolution, mein Verweis auf den „evolutionären Konservatismus“ des Gens und die identische Selbst-Replikation, die bei Dawkins als evolutionärer Erfolg gewertet wird.

    Wenn wir uns übrigens an Dawkins halten, ersparen wir uns dazu noch die Rede vom „Egoismus der Art“ oder dergleichen mehr (als nächstes kommt Rasse, Volkskörper usw.). Dawkins wendet sich explizit gegen die Vorstellung etwa von Lorenz und anderen, es gehe in der Evolution um Arterhaltung. Klip und klar. Dawkins sagt: Das ist falsch !

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  4. Hartmut Finkeldey

    Verständnisfrage! Zunächst ein Zitat:

    „Vielmehr argumentieren sie konsequent gegen Rassismus und verweisen beispielsweise darauf, dass sich die größten genetischen Ressourcen in Afrika befinden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gebe es in Afrika abgegrenzte Subpopulationen, in denen sich vorteilhafte Allele durchgesetzt hätten. Aus sozialen Gründen werde das bisher nur in einigen Sportarten manifest.

    Aber wir würden darauf wetten, dass eines Tages die Kinder einer Population irgendwo in Afrika mit dem Schachspielen anfangen, und dass ein paar Generationen später eine Abfolge afrikanischer Großmeister die internationale Schachszene dominiert.“

    Da wir, keine Zweifel, letztlich alle aus Afrika stammen und es zB den Identitären, den Reichsbürgern, Pegida und auch der AfD ja um die organischen Wurzeln unserer Existenz geht: Darf ich weiße, männliche, sozio-ökonomisch privilegiert aufgewachsene Hete dann eigentlich stolz sein, wenn eine schwarzafrikanische Lesbe endlich Schachweltmeisterin geworden ist? Sind dann nicht „wir“ Pabst, äh, Weltmeister? Ich meine doch, oder?

    AfD und Konsorten sind nicht nur gemein. Sie sind ja sogar dumm.

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  5. Die größten genetischen Resscourcen oder eigentlich besser die größte genetische Variabilität findet man in Afrika, weil es dort noch lange Zeit abgegrenzte Subpopulationen gab, so dass es nicht zur Nivellierung des Genpools kam. Der Rest der Welt kommt aus Afrika ist aber quasi nur ein Teil der „afrikanischen Gene“.
    Diese naturwissenschaftlichen Tatsachen sind für white pride sicherlich die größte narzisstische Kränkung, die man sich denken kann. Wenn man genetisch argumentieren würde (und das tut die AfD ja bekanntlich), dann müsste man ein großes Einwanderungsprogramm aus Afrika starten, um unsere schlappen Gene mal ein wenig aufzupeppen.

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