Gerüchte, Klischees, Vorurteile spielen eine erhebliche Rolle für unseren Blick auf die Welt. Ohne Klischees, ohne Wirklichkeitsverkürzungen kämen wir nicht aus, so Hannah Arendt, wir wären mit der Organisation unserer Wahrnehmung überfordert.

„Klischees, gängige Redensarten, konventionelle, standardisierte Ausdrucks- und Verhaltensweisen haben die gesellschaftlich anerkannte Funktion, gegen die Wirklichkeit abzuschirmen, gegen den Anspruch, den alle Ereignisse und Tatsachen kraft ihres Bestehens an unsere denkende Zuwendung stellen. Wollte man diesen Anspruch ständig erfüllen, so wäre man bald erschöpft.“

(Vom Leben des Geistes, Band 1)

Problematisch würde es erst, wenn wir unsere denkende Zuwendung völlig preisgäben, uns aus dem Dunst des Trüben und Ungefähren gar nicht mehr herausbewegten, sondern alles Denken und Tun ausschließlich dem Gerücht, dem Klischee, dem Vorurteil unterstellten. Dass dies nicht nur für heute gilt, etwa in unserer Wahrnehmung des IS, zeigt eine fast 200 Jahre alte Geschichte.

Die Ermordung August von Kotzebues – zeitgenössischer Kupferstich von 1820

Die Ermordung August von Kotzebues – zeitgenössischer Kupferstich von 1820

Am 23. März 1819 erdolchte der aus Wunsiedel stammende Jenaer Burschenschafter und Theologiestudent Karl Ludwig Sand den als reaktionär geltenden Dichter August von Kotzebue – ein umtriebiger Vielschreiber. Kotzebues Geschichte des deutschen Reichs war zuvor 1817 auf dem Wartburgfest von Studenten verbrannt worden, unter ihnen der spätere Mörder Sand. Gleichzeitig wurde Kotzebue in radikalen Studentenkreisen vorgeworfen, er sei ein Spion des Zaren. Nahrung erhielt dieses Gerücht durch einen herablassenden Bericht Kotzebues über die Zeitschrift Nemesis, den er für den Zaren verfasst hatte. Dieser Bericht wurde ihm offenbar gestohlen und dann veröffentlicht – vermutlich, um ihn bloßzustellen. Kotzebue war fortan Hassobjekt der liberal-patriotischen Bewegung, sozusagen deren Franz-Josef Strauß. Bei der Teutonia, deren Mitglied Sand war, dürfen wir zwar nicht an heutige Burschenschaften denken – unproblematisch war die deutsche Nationalbewegung allerdings auch damals nicht. Auf dem Wartburgfest wurden nicht nur Kotzebues Bücher verbrannt, sondern z. B. auch Saul Aschers, verbunden mit wüsten antisemitischen Reden. Nicht ohne Grund resümierte Heine später, 1848 in seinem Gedicht Michel nach dem März:

Doch als die schwarz-rot-goldene Fahn,
Der alt germanische Plunder,
Aufs neue erschien, da schwand mein Wahn
Und die süßen Märchenwunder.

Ich kannte die Farben in diesem Panier
Und ihre Vorbedeutung:
Von deutscher Freiheit brachten sie mir
Die schlimmste Hiobszeitung.

Schon sah ich Arndt, den Vater Jahn –
Die Helden aus anderen Zeiten
Aus ihren Gräbern wieder nahn
Und für den Kaiser streiten.

Die Burschenschaftler allesamt
Aus meinen Jünglingsjahren,
Die für den Kaiser sich entflammt,
wenn sie betrunken waren.

Ich sah das sündenergraute Geschlecht
Der Diplomaten und Pfaffen,
Die alten Knappen vom römischen Recht
Am Einheitstempel schaffen –

(Auch das gehört, nebenbei bemerkt, zu „schwarz-rot-gold“. Dazu vielleicht ein andermal.)

Metternich

Metternich

Sands Terrorakt nahm Klemens Wenzel Lothar von Metternich, nebst anderem, zum Anlass, sich mit diversen deutschen Staaten, Preußen vorneweg, in Karlsbad klandestin auf die dann so genannten Karlsbader Beschlüsse zu verständigen. Der Bundestag, der formal zuzustimmen hatte, wurde regelrecht überrumpelt. Vereinigungsverbot, Vorzensur, eine zentrale Ermittlungsstelle in Mainz, die die nicht vorhandene Verschwörung aufdecken sollte, die Exekutionsordnung (Einschränkung der Souveränität der Einzelstaaten) waren das Ergebnis. Kurz: der Polizeistaat des Biedermeier, des Vormärz, die sogenannte Demagogenverfolgung.

Metternich sprach vom „vortrefflichen Sand“, der ihm mit dem Terrorakt Munition gegen die freiheitlich-patriotische Bewegung in die Hand gegeben hatte:

„Ich für meinen Teil hege keinen Zweifel, daß der Mörder nicht aus eigenem Antriebe, sondern in Folge eines geheimen Bundes handelte. (…) Meine Sorge geht dahin, der Sache die beste Folge zu geben, die möglichste Partie aus ihr zu ziehen, und in dieser Sorge werde ich nicht lau sein.“

Metternich reagierte also auf ein Attentat, das nicht zuletzt durch ein unbewiesenes und wohl unwahres Gerücht ausgelöst wurde, mit einem massiven, unwahren Gegengerücht. Die Macht des Gerüchts darf innerhalb einer politischen Kultur nie unterschätzt werden, deren Entscheidungen auf öffentliche Zustimmung angewiesen sind. Gerüchte gibt es immer, aber in Krisenzeiten können sie eine tödliche Wirkung entfalten.

Wer Parallelen zu den Ereignissen der letzten Tage sieht, der irrt wohl nicht. Der IS, das ist erst einmal das Gerücht über ihn, verbreitet von „Terrorismusexperten“ (was ist das? kann man das lernen?), von selbsternannten Insidern, die „es ja wissen müssen“. In Europa leben 50 Millionen Muslime. Das ist kein Gerücht, und kein Gerücht ist auch, dass mitnichten in jeder Stadt, an jedem Tag in Europa Bomben explodieren.Wenn wir derzeit überhaupt etwas wissen, dann doch wohl dies: Der IS wurde von Saddam Husseins Geheimdienstlern gegründet, also von ehemaligen Mitgliedern der Baath-Partei – einer säkularen Partei, die zum Beispiel eine Bodenreform sowie bessere schulische Ausbildung für Mädchen mit mörderischer Gewalt gegen alle Gegner verband. Mit einem „politischen Islam“ hatte dieser „arabische Sozialismus“, der z.B. auch den Frauenschleier abschaffte, nicht das Geringste zu tun. Saddams Täusch- und Tarnexperten sehen im Warlord-Dasein – Raubrittertum hätte man es im Spätmittelalter genannt – offenbar einfach eine Lebensperspektive. Die westeuropäischen Franchise-Nehmer des IS sind bis jetzt ausnahmslos vorher als gewöhnliche Gewaltkriminelle in Erscheinung getreten. Wir reden hier nicht über massenhaft in Erscheinung tretende Gotteskrieger, gegen die ein neuer Karl Martell aufzubieten wäre, um sie bei Poitiers abermals zu schlagen, sondern über perspektivlose, psychisch kaputte Amokläufer. Woher wir das wissen? In Europa leben 50 Millionen Muslime. Das ist kein Gerücht, und kein Gerücht ist auch, dass mitnichten in jeder Stadt, an jedem Tag in Europa Bomben explodieren. Kein Gerücht ist im Weiteren, dass die Opferzahlen nur schon des „westlichen“ Drohnenkriegs in muslimischen Ländern die des „muslimischen“ Terrors in Europa deutlich übertreffen. Wie viele Tote die Kriege gegen den Terror, zur Verteidigung der westlichen Wertegemeinschaft, insgesamt gekostet haben, ist derzeit unbekannt. Vorsichtige Schätzungen sprechen von 68.000 Opfern in Afghanistan seit 2001 und von mehreren 100.000 Toten im Irak von 2003 bis 2011.

Zurück zu Sand, Kotzebue, Metternich und Karlsbad: Auch im Vormärz „wusste“ die politische Polizei immer ganz genau Bescheid, über Büchner, über Weidig, über alles und jeden – nur den Ausbruch der Revolution 1848 hat sie dann leider verpasst. Soviel zum Wissen/Kenntnisstand der „Experten, die es ja wissen müssen“.

Karl August Sand versuchte noch unmittelbar nach dem Attentat, sich mit dem Tatmesser selbst zu entleiben. Das schlug fehl, fortan hatte er eine offene, eiternde Wunde während der Festungshaft. Ein Gnadengesuch lehnte er ab. Er wollte für die Freiheit sterben. Aber vielleicht ist auch das nur ein Gerücht über ihn.

Bilder:
Headermontage – Wüste auf dem Weg nach Palmyra (Cristian Iohan Ştefănescu: CC BY 2.0) / Die Hinrichtung des Carl Ludwig Sand (Kupferstich, gemeinfrei)
Die Ermordung August von Kotzebues (Kupferstich, gemeinfrei)
Thomas Lawrence: Fürst Klemens Wenzel von Metternich (Ölgemälde, gemeinfrei)

Von Hartmut Finkeldey

19 Kommentare

  1. Der ‚Artikel‘ überrascht mich. Mehr als eine Zitatensammlung und der Hinweis auf die Entstehung des IS aus Saddams Geheimdienst ist nicht zu erkennen. Das Lesen hätte ich mir sparen können …

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  2. Der „Kommentar“ überrascht mich, denn in dem kurzen Artikel (hier werden bevorzugt kurze Artikel gepostst) ist sehr wohl das Thema Gerüchte beim öffentlichen Sprechen über Terror behandelt. Anhand eines vergangenen und eines gegenwärtigen Beispiels. Dass in beiden Ereignissen – das eine findet ja noch statt – Parallelen auftauchen, ist ebenfalls gesagt worden.
    Ich vermute nicht genannte Motive für Ihren „Kommentar“, Herr Matern. Die mich natürlich interessieren würden.

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    1. Dass Gerüchte in den Lebenswelten prägend sind, ob unter Wutbürgern oder bei einem Kaffee-Klatsch, ist ziemlich banal. Doch die sogenannte Parallele zwischen den angeführten Beispielen sehe ich nicht, nicht einmal, dass es sich im zweiten Fall um ein Gerüchte handelt, dass aufgegriffen wird. Dass der IS von Geheimdienstleistern gegründet wurde und es Terroristen leichter fällt, Terror zu verüben, wenn sie Erfahrungen mit Gewalttaten haben, sagt nichts über religiöse Orientierungen oder deren Fehlen aus. Um es mehr deutlich zu machen: In dem Artikel fehlt jegliche Methodik.

  3. Was sind Sie denn immer gleich so beleidigt und patzig, wenn Ihnen auch nur ein Funke Widerspruch entgegen weht, Herr Finkeldey? Schon bei dem Text in dem Sie Sybille Bergs Ironie partout nicht erkennen wollten und jedem, der Sie darauf hinwies oberlehrerhaft über den Mund fuhren, ist mir das aufgefallen.
    So entsteht leider keine lebhafte Diskussion. Erst Recht nicht, wie hier, mit der Unterstellung der Kommentator müsse noch irgendwelche versteckten Motive für seinen Widerspruch haben. Überdenken Sie doch einfach mal das, was Ihre Leser schreiben, statt sie anzuranzen. Das könnte in soetwas wie einen Dialog münden an dessen Ende, im Idealfall, alle Beteiligten schlauer sind.
    So aber verliert man schnell die Lust (die leider mitunter nicht besonders gut ausgearbeiteten) Beiträge zu lesen.

    Betrachten Sie diesen Kommentar bitte als wohlwollenden Hinweis, nicht als Aufforderung zum Streit.

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    1. Der Text nimmt eine Episode aus der Geschichte auf und zieht eine Parallele zu heutigen Vorgängen. Interessant wäre, ob man die beiden Dinge überhaupt vergleichen kann und ob das tertium comparationis – in diesem Fall das Phänomen des Gerüchts – stimmig ist. Es wäre schön, wenn wir dabei auf allen Seiten ohne Unterstellungen und Rundumschläge auskämen.
      Ein Wort zum Autor resp. den Autoren: Als Autor ist Hartmut Finkeldey angegeben. Der Test ist aber – wie es im Teaser steht – im Austausch mit seinem Zwillingsbruder Herwig entstanden, der sich nun in den Kommentaren zu Wort gemeldet hat. Wir werden in Zukunft die gemeinsame Autorschaft der beiden deutlicher vermerken.

  4. Also „mehr deutlich“ ist da nichts geworden. Überdies wiederspricht Ihr zweiter Kommentar Ihrem ersten: Dort hieß es noch, hier stünde ja gar nichts drin. Nun also doch aber falsch und ohne Methode. Naja, seis drum, zur Sache…

    Das Gerücht im zweiten, aktuellen Fall besteht – wie auch zu lesen ist – in der Behauptung, der IS sei Ausdruck der terroristischen Grundausrichtung des Islams an sich, sei ein „politischer Islam“. Diese Behauptung lässt sich mit einer Herkunft der Führungsriege aus dem Despotenregime Saddams natürlich nur schwer in Einklang bringen. Aus fundamentalistischer Intention heraus sollen diese ehemals säkular ausgerichteten Leute den IS installiert haben? Da ist die Analogie z.B. zu den deutschen Freikorpsverbänden der 20er Jahre, die wegen des Kriegsendes ebenfalls arbeitslos geworden waren, deutlich überzeugender.

    Nur passt diese Analyse natürlich denjenigen nicht, die das Mem vom bösen, terroristischen Islam an sich bedienen wollen. Daher die vernebelnde Gerüchteküche. So argumentiert der stringent komponierte Artikel. Wenn Sie andere Argumente haben, die uns überzeugen, dass der IS Ausdruck des Islams an sich ist, Ausdruck des religiösen Erlebens – bitte her damit. Aber bitte nicht Dinge behaupten, die nie einer gesagt hat, resp. Dinge als nicht existent behaupten, die sehr wohl nachweisbar sind. Das wäre dann nämlich die Methode des… Gerüchts (sic!).

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    1. Sorry, aber es lohnt sich wohl nicht: „Dort hieß es noch, hier stünde ja gar nichts drin. Nun also doch aber falsch und ohne Methode.“ Dies finde ich in dieser Weise nicht in meinen Kommentaren. Und in Bezug auf Herkunft und Aktualität: Über die Terrorismusexperten wurde lediglich im Artikel gesagt „Wer Parallelen zu den Ereignissen der letzten Tage sieht, der irrt wohl nicht. Der IS, das ist erst einmal das Gerücht über ihn, verbreitet von „Terrorismusexperten“ (was ist das? kann man das lernen?), von selbsternannten Insidern, die „es ja wissen müssen“.“ Nun wird die Annahme eines politischen Islams nachgeschoben. Was ergäbe sich für ein Problem, falls sich dies aus der Herkunft der führenden Leute nicht erläutern ließe? Es geht um eine Aktualität des Terrors, nicht um eine Herkunft der Leute.

      Gerüchten Sie weiter … Danke. Ich verabschiede mich.

  5. „Gefährliche Gerüchte“ ist halt ein gefährliches Thema.
    Niemand sollte hier beleidigt werden, auch Sie nicht Herr Matern. Sollte das für Sie subjektiv der Fall gewesen sein, so bitte ich Sie aufrichtig um Entschuldigung.
    Allerdings fand ich Ihre Eröffnung der Diskussion nicht sehr glücklich, und das ist noch sehr milde ausgedrückt. Artikel in Anführungszeichen gesetzt, weiterhin behauptet, er biete er nur „Zitatensammlung“ und schließlich „das lesen hätte ich mir sparen können“ – solch ein hartes Urteil hätte man zumindest begründen können. Anstatt es nur zu behaupten.

    Meine Argumente – siehe posting 15:42 – kennen Sie. Nicht Verharmlosung des IS aber auch v.a. keine Überschätzung seiner Fähigkeiten. Fehlende Massenbasis, deswegen insgesamt eher organisierte Kriminalität statt staatliche Bedrohung. Und keinesfalls fleischgewordener Ausdruck „des Islams“.

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  6. Abseits der Gerüchteküche ist die Kenntnis des Korans sowie anderer Schriften notwendige Voraussetzung für ein Verständnis der Vorgänge.

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    1. Und warum? Ich widerspreche zunächst gar nicht – um die Geschichte zwischen Christentum und Islam in den Griff zu kriegen, wäre übrigens auch die Kenntnis der Bibel relevant -, aber ich wüsste gerne, was genau Sie meinen? Haben Sie eine bestimmte Koran-Stelle im Auge?

      mfg

      Hartmut Finkeldey

  7. Der Kampf ist erst dann zu Ende, wenn jeder Moslem ist. Mit dieser Parole lassen sich alle aufeinander hetzen, denn jeder der Parteien hat eigene Definitionen. Frieden ist nicht möglich, wobei ein Waffenstillstand erlaubt ist. Auf dieser Grundlage werden verschiedenste wirtschaftliche Interessen ausgefochten und so steht der Anspruch des IS auf das Kalifat gegen die Rechtmäßigkeit dessen Besitzes in den Händen der Türkei. Auf diesem Feld agieren zusätzlich natürlich noch die anderen Parteien. Viele Grüße zurück.

    Antworten

    1. (…)

      Mein Kommentar hat sich erledigt.

  8. Sehr geehrter Herr Matern,

    „Tell“ möchte sehr gerne mit den Leserinnen, den Lesern sprechen. Jeder
    darf hier kritisieren – nur haben wir ein Problem mit einer „Kritik“,
    die elementare Standards der vernünftigen Unterredung nicht einhält.
    „Mehr als eine Zitatensammlung und der Hinweis auf die Entstehung des IS
    aus Saddams Geheimdienst ist nicht zu erkennen“ ist schon auf der Ebene
    der schieren Fakten schlicht unwahr; der Text, ob nun gut oder nicht,
    enthält einiges mehr. Zum Beispiel die Frage, ob die Terroranschläge in
    Brüssel Anschläge eines „politischen Islam“ waren, gegen die ein neuer
    Karl Martell aufzubieten wäre, oder ob eher alternative Sichtweisen nahe
    liegen. (Wir hätten kenntlich machen müssen, dass es sich hier um ein
    Frauke-Petry-Zitat handelt; mein Fehler – allerdings ist Petry mit ihrer
    Sicht ja nicht allein.) Die Genese des IS, die Biographien seiner
    europäischen Helfer legen eher alternative Sichtweisen nahe, und das
    sagt der Text auch in aller Klarheit. Zugleich vergleicht er das Gerücht
    vom „politischen Islam“ mit eben jenem, dem Metternich erlag. In einem
    kurzen Schlenker spielt er dann noch an auf unsere allumfassende
    Überwachung, die, wie im Vormärz, alles weiß, alles sammelt…nur das
    entscheidende entgeht denen immer (war mit Mielkes Stasi nicht anders:
    Überwachung allumfassend, aber den Herbst 89 verpennt; offenbar eine
    chronische Geheimdienstkrankheit).

    Über all das hätten Sie reden können. Warum tun Sie es nicht?

    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten

    1. Hallo Herr Hartmut Finkeldey,

      ich konnte nur darüber sprechen, was der Text mir bot. Im Hinblick auf die ‚Terrorismusexperten‘, wer immer die laut Text sein könnten, war lediglich zu lesen: „Wer Parallelen zu den Ereignissen der letzten Tage sieht, der irrt wohl nicht. Der IS, das ist erst einmal das Gerücht über ihn, verbreitet von „Terrorismusexperten“ (was ist das? kann man das lernen?), von selbsternannten Insidern, die „es ja wissen müssen“. Eine Parallele wird dadurch nicht aufgezeigt. Und im Fortgang des Textes eine Herkunft von Anführern des IS anzuführen, sagt schlicht gar nichts. Nicht die Herkunft war Thema, sondern die relativ aktuellen Taten.

      Etwas, das im Hinblick auf den IS im Text völlig unterschlagen wird: Der primäre Zulauf kam nicht von gewaltbereiten Leuten aus dem Westen, auch nicht die Finanzierung.

    2. „Eine Parallele wird dadurch nicht aufgezeigt.“ Der Text behauptet eine Parallele zwischen Metternichs Glauben an die große Verschwörung durch die Radikaldemokraten und dem derzeitigen Glauben an die große Verschwörung eines „politischen Islam“. Und er behauptet diese Parallele recht deutlich.

      „auch nicht die Finanzierung.“ Das ist so schlicht unwahr. Über die Golfstaaten und das Nato-Mitglied Türkei hängt ‚der Westen‘ sehr wohl mit drin. ‚Hing‘ muss man wohl sagen, denn der IS dürfte am Ende sein. Niemand muss mit ihm Mitleid haben; das bedeutet nicht, die Politik, die den IS erst hat erstarken lassen, zu billigen.

      Sie reagieren derart übellaunig auf den Text, dass ihnen einfachste textliche Zusammenhänge entgehen. So ist eine Diskussion wenig zielführend; Sie erlauben, dass ich sie hiermit beende.

  9. Inzwischen hatte ich schon ausführlich eine Antwort formuliert, doch das Senden funktionierte nicht. Bei diesem Thema kochen anscheinend die Emotionen, zumal es von rechts für eigene Positionen benutzt wird. Vor mehreren Jahren lag der Koran und alle möglichen damit befaßten zugänglichen Schriften auf meiner Leseliste um Verhaltensweisen von Menschen verstehen zu können. Zu Punkt a: wörtliches Zitat muß ich erst nachschlagen und bitte Geduld bis morgen, dafür ist jetzt die Stunde einfach zu weit fortgeschritten. Das Missionsgebot gibt es übrigens anders formuliert auch in der Bibel. Es geht jedoch nicht um einen Vergleich der Inhalte verschiedener Religionen sondern um ein Erkennen der Beweggründe des IS. Zu Punkt b ist die persönliche Erfahrung zu berichten, daß Aleviten am lockersten sind und bei Wahabiten schon mehr darauf geachtet werden sollte, die richtigen Worte zu wählen. In Syrien werden verschiedene Ethnien mit unterschiedlichen religiösen Definitionen von Wahrheit aus wirtschaftlichen Interessen aufeinandergehetzt. Fanatismus wie er u.a. in Mein Kampf geschürt wird, ist rational zu analysieren. Das Judentum wird dort für den Untergang der Welt verantwortlich gemacht. Im Kampf für das Gute wird gerne Blut vergossen. Ein Widerspruch an sich. Die Masse läßt sich eben leicht in Bewegung setzen mit einfachen Lösungen und selbst Bildung reicht dann nicht aus um das zu verhindern.

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  10. In der Tat kochen die Emotionen bei diesem Thema hoch, deswegen auch unser Versuch, aus der Küche auszubrechen. Die Küche ist zum Kochen gut, auch zum Gerüchtekochen, aber eben nicht zum Argumentieren.

    Natürlich haben erst einmal Taten mit den Begründungen zu tun, in deren Folge sie geschahen. Sich diesem Diskurs zu verweigern, spricht nicht für den Verweigerer. Freilich müssen diese Meinungen dann auch mit der Wirklichkeit abgeglichen werden. FÜR eine Sache zu töten haben schon viele Mörder behauptet, nicht zuletzt ja auch der deutsche Nationalsozialismus. Sind damit die so grausam Angesprochenen gleich allesamt unter Generalverdacht? Ich habe es doch für DICH getan, sagt der Mörder! Bist DU damit mitschuldig? Oder ist es nicht eher so, dass der Mörder da irgend etwas mißverstanden hat? Bleibt die Frage, ob der/die so Angesprochene für die Tat mit verantwortlich ist.
    Meine Antwort ist da klar: Von Mitverantwortung kann man nur sprechen, wenn auch belegbar bei den Taten mitgemacht worden ist. Und dann könnte man von mir aus auch von der islamischen Seele sprechen, die sich z.B. im IS politisch ausdrückt.
    Aber genau diese Massenbasis, Herr schlingsite, sehen wir bei der Losertruppe IS/DEASH nicht. Sie fehlt doch erkennbar und übrig bleibt eine Mörderbande, die aus säkularen Zusammenhängen entstand (Saddams Geheimdienste und Militär) und die für ihre Handlanger ein paar weltanschauliche Brotkrümmel übrig hat: Den Islam. Verführbar sind damit offenbar im Leben Gescheiterte mit einer handfesten Drogenkarriere hinter sich (als Dealer und als Konsument!).
    Die Nähe einerseits zu den Freikorpsverbänden der 20er Jahre (auch dort das arbeitslos gewordenen Militär mit Zukunftsangst), andererseits zur organisierten Kriminalität ist evident.
    Der IS oder DEASH als Ausdruck des „Islams an sich“, diese Propagandabehauptung von Rechts ist es, die wir als Gerücht kritisieren.

    So ich hoffe , ich habe kalte Platte serviert. Bitte nicht in die Mikrowelle schieben…

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  11. mein Bruder hat fast alles gesagt, Da ich freiwillig die A-Karte gezogen, lies: zuerst „Hitler“ gesagt habe, schnell noch zum NS:

    Im Gegensatz zu warlords in failed states mit ihren bloß lokal aufgetriebenen Unterstützern fand der Nationalsozialismus tatsächlich bei der Mehrheit der gesamten damaligen Deutschen Zustimmung und Unterstützung. Die Deutschen wollten Hitler mehrheitlich ganz einfach – jedenfalls so lange es gut lief. Insofern verbietet sich natürlich jeder Vergleich, denn nirgends existieren muslimische Gesellschaften, die dem IS mehrheitlich begeistert zu jubeln. Muslime werden sich einen Vergleich mit der failed culture Deutschland zu Recht deutlichst verbitten.

    Soweit hierzu. Für Nachfragen stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung.

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  12. Den vorherigen Aussagen kann ich nur zustimmen. Das Thema wird wohl nicht zu umgehen sein. Schön, daß es solche Orte gibt an welchen offene Diskussionen geführt werden können.

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