Unsere kommentierte Liste mit Neuerscheinungen erscheint einmal im Monat. Die Auswahl folgt unserer Neugier. Haben wir das Wichtigste übersehen? Dann lassen Sie es uns bitte wissen!

Belletristik

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Isabel Fargo Cole
Die grüne Grenze

Roman

Aber wenn man die Dinge beim Namen nennt, wird alles gleich politisch. Diese Küchengespräche der Intelligenz, Aufregung über jeden neuen Film, jede neue Zeile, die das Schweigen bricht, Euphorie, Pessimismus, Prinzipienreiterei, Verfolgungswahn – mir vergeht die Lust, Politisch ist alles, auch gegen die Politik zu sein ist politisch. Unpolitisch zu sein ist politisch. Ich bin also nicht gegen die Politik. Ich bin nicht unpolitisch. Ich weiß nur, alles, was politisch ist, läuft auf eines hinaus: Bist du Freund oder Feind? Gehörst du mir noch? Hörst du mich?

Nautilus, 496 S., 26 Euro
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Manja Präkels
Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

Roman

Wir leben in Höhlen. Licht an. Licht aus. Dort suchen wir Schutz. Doch den gibt es nicht. Die Grenze zwischen Albtraum und Wirklichkeit ist durchlässig. Aus Angst wird Paranoia. Der Liebste nennt mich scherzhaft Fledermausfrau. Ich schrecke leicht auf, stelle den Fernseher leiser, höre durch Wände hindurch. Liege schlaflos. Nur der Geruch im Zimmer unterm Dach zeigt mir, dass ich wach bin. Ein vertrauter Geruch. Kein guter.

Verbrecher, 280 S., 20 Euro
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Melinda Nadj Abonji
Schildkrötensoldat

Roman

Als hätte ich damals schon geahnt, dass es in diesem Haus nicht nur nach Zigaretten, Kaffee, Schweiß und Eisen roch, sondern nach Schicksal – wie erhaben und furchterregend es doch klingt, das Schicksal, unabänderlich, groß, die von Gott geschickte Fügung; und wie verlogen, alles einer das menschliche Leben lenkenden Macht zuzuschieben, die mit der eigenen Verantwortung, dem eigenen kleinen Leben nichts zu tun hat, und ins Allmächtige auszuweichen, wenn es darum ginge, menschliche Antworten auf menschliche Fragen zu finden.

Suhrkamp, 173 S., 20 Euro
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Svealena Kutschke
Stadt aus Rauch

Roman

Lucie stand am Fenster, auf der Straße stand der Teufel im Morgengrauen und rauchte eine Zigarette. Sein schwarzes glänzendes Haar, der dichte Bart, Lucie sah, wie der Dreck der Straße durch seinen Körper wehte. Lucie schaute in seine gleißend blauen Augen, und der Himmel gewann etwas an Farbe.

Eichborn, 665 S., 24 Euro
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Irene Dische
Schwarz und Weiß

Roman
Aus dem Englischen von Elisabeth Plessen

Soll ich mich jetzt vorstellen? Mein richtiger Name ist Jutta, Jutta Bolin. Für mein Alter sehe ich phantastisch aus. Ich bin blond, Single, Raucherin und verstehe was von engen Jeans. Mit Cowboystiefeln. Manchmal hört jemand meinen leichten Akzent und fragt, wer ich „wirklich“ sei. Wenn ich nicht sagen „Verpiss dich“, sage ich: „Griechin.“ Eine Notlüge. Bei Deutschen gehen die Leute immer vom Schlimmsten aus.

Hoffmann & Campe, 496 S., 26 Euro
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Sachbuch

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Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer, Evelyn Roll, Elke Schmitter
Was tun?
Demokratie versteht sich nicht von selbst

Fake News bekämpfen, in eine Partei eintreten, auf die Straße gehen: Wer die Demokratie liebe, müsse jetzt für sie kämpfen, sagen fünf Journalistinnen. In Essays deuten sie die Angriffe auf die offene Gesellschaft. Sie machen nicht nur Mut zum Handeln, sondern diskutieren konkrete Vorschläge.

Kunstmann, 112 S. 10 Euro
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Hilal Sezgin
Nichtstun ist keine Lösung
Politische Verantwortung in Zeiten des Umbruchs

In Zeiten des Gutmensch-Bashing ist das Moralische diskreditiert. Hilal Sezgin fragt, warum wir lieber wegschauen als nichts zu tun. Sie diskutiert das Pro und Kontra des Idealismus, kritisiert den Effizienten Altruismus – und verweist auf die eigenen Handlungsmöglichkeiten als Gegengift gegen die Entfremdung.

Dumont, 160 S., 14 Euro
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Charlotte Theile
Ist die AfD zu stoppen?
Die Schweiz als Vorbild der neuen Rechten

In der Schweiz ist die SVP seit Jahren die stärkste Kraft. In Interviews mit Exponenten der rechten Szene der Schweiz und Deutschland (u.a. Christoph Blocher, Roger Köppel, Alexander Gauland, Thilo Sarrazin, Alice Weidel) gibt Charlotte Theile, Schweiz-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, ein Bild von der Geschichte und den Strategien der beiden rechten Parteien.

Rotpunkt, 192 S., 16 Euro
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Arlie Russell Hochschild
Fremd in ihrem Land
Eine Reise ins Innere der amerikanischen Rechten

Wie geht es zusammen, dass Anhänger der Tea-Party Bewegung, Menschen ohne reale Lebensgrundlage inmitten ökologischer und ökonomischer Wüsten also, dennoch an den reinen Kapitalismus glauben, an die Abkehr vom Rechtsstaat? Dies erfährt man in dieser Reportage auf verstörende Weise. Zugleich wird vieles verständlicher, auch das Verhalten republikanischer Wähler.

Campus, 429 Seiten, 29,95 Euro
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Ute Frevert
Die Politik der Demütigung
Schauplätze von Macht und Ohnmacht

Der Pranger ist ein mittelalterliches Beschämungsinstrument – doch ist die Technik der Machtausübung durch Beschämung keineswegs verschwunden. Die Gefühlshistorikerin Ute Frevert zeichnet die Entwicklung von Beschämungstechniken seit der Aufklärung nach und beschreibt moderne Demütigungspraktiken: Die sozialen Medien etwa können als symbolischer Pranger eingesetzt werden, oft mit tödlichen Folgen. Denn Scham ist ein gefährliches Gefühl: Es bewirkt Ausschluss aus der Gemeinschaft und kann das Selbst des Beschämten zerstören.

S. Fischer, 336 S., 25 Euro
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Beitragsbild:
Büchertisch Buchbox Hufelandstraße Berlin
Von Sieglinde Geisel

Von Redaktion

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